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02.05.2017

Mit Power-to-Gas Kosten senken und Akzeptanz für die Energiewende steigern

Was ist volkswirtschaftlich sinnvoller: Vollelektrifizierung der Wärmeerzeugung oder Dekarbonisierung des Wärmemarkts durch Power-to-Gas? Dieser Frage geht eine Studie im Auftrag der Unternehmen DEA, EWE, Gascade, Open Grid Europe, Shell, Statoil, Thüga und VNG auf den Grund.


Das Ergebnis: Beide Szenarien können zum CO2-Reduktionsziel von 95 Prozent bis 2050 führen, aber die Sektorenkopplung über Power-to-Gas hat einen entscheidenden Vorteil. Der Bedarf an umfangreichen Back-up-Kraftwerken wird deutlich reduziert. Konkret kann der Leistungsbedarf des Systems mit Power-to-Gas um bis zu 53 GW gegenüber einem Szenario mit Vollelektrifizierung des Wärmemarktes reduziert werden. Damit können auch die volkswirtschaftlichen Kosten der Dekarbonisierung erheblich gesenkt werden. „Im Vergleich zu einer Vollelektrifizierung, für die wir eine umfangreiche Strominfrastruktur aufbauen müssten, können wir unsere bereits sehr gut ausgebaute Gasinfrastruktur nutzen, um synthetische Gase zu speichern und zu transportieren“, erläutert Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG.

Vorteile auch für Endverbraucher

Auf die Gasinfrastruktur als Speicher für regenerativ gewonnenes Gas setzt auch der Energieversorger Greenpeace Energy und zeigt anhand einer aktuellen Analyse, dass auch die Verbraucher davon profitieren können: Statt wie bisher an windreichen Tagen  Windkraftanlagen in Regionen mit schlecht ausgebauten Netzen abzuregeln und die Betreiber über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dafür zu entschädigen, schlägt das Unternehmen vor, den bislang ungenutzten Strom in Wasserstoff umzuwandeln und in das Gasnetz einzuspeisen. Für den Strombezug zahlen die Windgas-Elektrolyseure einen Preis an die Netzbetreiber, die so zusätzliche Einnahmen erzielen und zugleich Entschädigungszahlungen an Windparkbetreiber einsparen. Dadurch sinken wiederum die Netzentgelte, die deutsche Verbraucher mit ihrer Stromrechnung bezahlen.

Stromüberschüsse könnten genutzt werden

In drei Netzgebieten, in denen fast 60 Prozent der deutschen Stromüberschüsse anfallen, hatte das Analyse-institut Energy Brainpool im Auftrag
von Greenpeace Energy analysiert, wie viel Strom dort im Jahr 2015 nicht genutzt werden konnte und welche Kosten dadurch anfielen. Zum Vergleich wurden Einsparungen durch den Einsatz von Windgas-Elektrolyseuren berechnet. Schon bei einem relativ geringen Zubau von Elektrolyseuren mit insgesamt 100 MW Leistung hätten in den drei untersuchten Gebieten 13 Prozent der Stromüberschüsse genutzt und Verbraucher um gut zehn Millionen Euro entlastet werden können. Beim maximalen Elektrolyseur-Ausbau mit 2.000 MW Leistung wären sogar 96 Prozent der Überschüsse genutzt und 64 Millionen Euro eingespart worden. Die Einsparungen dürften in den kommenden Jahren sogar noch anwachsen. Denn vor allem im Norden werden Windkraftanlagen von den Netzbetreibern bei starkem Wind immer  häufiger abgeschaltet, weil schlecht ausgebaute Netze und der um Jahre verzögerte Bau großer Stromtrassen verhindern, dass die erneuerbare Energie in die Verbrauchszentren im Süden abtransportiert werden kann.

Fazit

Beide Studien zeigen, dass der Einsatz von Power-to-Gas nicht nur die Volkswirtschaft und Verbraucher entlastet, sondern zudem die deutschen CO2-Emissionen senkt. Stephan Kamphues, Sprecher der Geschäftsführung der Open Grid Europe, erklärt dazu: „Die Energiewende ist richtig. Aber wir müssen die Kosten und die Akzeptanz im Blick behalten. Technologieoffenheit und Wettbewerb unter den Klimaschutzoptionen sind der Schlüssel für den besten Weg.“