Digitalisierung

Die digitale Transformation - Chance für Energieversorger

Telekom Deutschland GmbH

"Niemand sollte aufgrund seines Standortes einen Wettbewerbsnachteil haben", sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH.

Vier Fragen an Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH

Herr Rickmann, die Digitalisierung gilt als Treiber für Innovationen und neue Rollenverteilungen. Welchen Nutzen können die Unternehmen der Gas- und Wasserwirtschaft aus der Digitalisierung und Vernetzung ziehen?

Die Digitalisierung zahlt sich aus, in der Branche der Gas- und Wasserwirtschaft gehören bereits heute einige Bereiche zu den Vorreitern der digitalen Transformation. Wer sich transformiert, arbeitet produktiver, erhöht seinen Absatz, verbessert den Service und die Zusammenarbeit. Die Unternehmen können also mit einer echten digitalen Dividende, einem Mehrwert aus der Digitalisierung, rechnen. Nehmen wir die klassischen IT-Bestandteile der Digitalisierung, also Cloud, IoT oder Big Data, fallen mir sofort Prozesse oder ganz neue Geschäftskonzepte ein. So lassen sich z. B. Maschinen und Geräte vernetzen. Dazu führt die Telekom gerade die kosten- und energieeffiziente Vernetzungstechnologie NarrowBand-IoT ein. Das Auslesen der Zählerstände vor Ort entfällt damit, denn diese Funktechnologie durchdringt selbst dicke Kellermauern. Heißt: Kein Mieter muss am Ablesetag einen halben Tag Urlaub nehmen oder die Zählerstände per Postkarte übermitteln. Digitalisierung muss immer auf den Kunden, auf dessen Ansprüche und Wünsche abzielen. Und die haben sich stark verändert: Gerade in der Energiebranche, wo sich manche der Kunden zu erzeugenden Verbrauchern, sogenannten Prosumern, entwickeln. Gute Chance also für die Unternehmen, durch die Digitalisierung besser auf die Kundenbedürfnisse einzugehen.

Wie kann gewährleistet werden, dass auch kleine Stadtwerke und ländliche Versorger abseits der großen Ballungsräume Zugriff auf die notwendige digitale Infrastruktur (Stichwort „Breitbandausbau“) haben, um neue digitale Geschäftsmodelle für sich erschließen zu können?

Niemand sollte aufgrund seines Standorts einen Wettbewerbsnachteil haben. Deshalb investiert die Telekom jährlich rund fünf Mrd. Euro in den Glasfaserausbau, seit dem Jahr 2010 sind jährlich gut 25.000 km dazu gekommen. Aber wir können unser Land nicht alleine ausbauen und schließen daher vermehrt Kooperationen – etwa mit NetCologne, Innogy und EWE. Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr eine Initiative gestartet, mit der wir hunderte Gewerbegebiete in Deutschland zusätzlich ans Hochgeschwindigkeitsnetz anschließen.

Ein wichtiger Bestandteil der digitalen Transformation ist Cloud Computing. Wie sicher sind die sensiblen und sicherheitsrelevanten Kunden- und Prozessdaten von Betreibern Kritischer Infrastrukturen in einer Cloud aufgehoben?

Es ist leider Realität, dass Angriffe von Hackern und Cyberspionen zunehmen und immer professioneller werden. Sich dagegen zur Wehr zu setzen, ist eine komplexe Aufgabe. Besonders Unternehmen ohne oder mit nur einer kleinen eigenen IT-Abteilung haben es schwer, sich gegen solche Attacken zu wehren. Daten sind heute besser in der Cloud aufgehoben, wenn man den richtigen Cloud-Anbieter auswählt. Beispielsweise sollte man darauf achten, dass die Cloud in einem deutschen Rechenzentrum betrieben wird. Warum? Dann unterliegt der Anbieter den hohen deutschen Sicherheits- und Datenschutzanforderungen und muss entsprechende Zertifikate für den Betrieb nachweisen. Unsere Open Telekom Cloud, also unser Public-Cloud-Angebot, erfüllt bereits jetzt die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung, die im Mai 2018 in Kraft tritt.

Im Rahmen der Energiewende müssen Versorgungssysteme, wie z. B. die Gas- und Strominfrastrukturen, zu einem steuerbaren und kontrollierbaren Gesamtsystem zusammenwachsen. Welchen Beitrag leistet hier die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und können Versorgungssicherheit und -qualität weiter gewährleistet werden?

In kaum einer Branche ist die Notwendigkeit zur Transformation so offensichtlich wie im Energiebereich. Um die Energiewende zu stemmen, entwickeln Traditionsunternehmen wie Startups klimafreundlichere Geschäftsmodelle. Diese beruhen auf modernen digitalen Technologien, die von der IKT-Branche entwickelt wurden. So wären ohne Vernetzung die virtuellen Kraftwerke, mit denen z. B. viele Startups, aber auch große Unternehmen wie die Berliner Gasag die kleinen Erzeuger und flexiblen Verbraucher miteinander verknüpfen, nicht denkbar. Solche digitalen Innovationen sind so überzeugend, weil sie die vorhandenen Kapazitäten smart ausnutzen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, setzen etliche Dienstleister der Energieunternehmen auf „Machine-to-Machine“-Technologien, die es vernetzten Geräten ermöglichen, Informationen automatisiert auszutauschen und Aktionen auszuführen, ohne dass ein Mensch manuell eingreifen muss. Sie wickeln sämtliche Prozesse von der Störmeldung über die Auftragsvergabe bis zur Abnahme elektronisch ab – Das spart Zeit, senkt die Kosten und die Fehlerquote.

Und auch im Wasserbereich ist eine erhöhte Versorgungssicherheit Teil der digitalen Dividende: Weil sich z. B. mit einem smarten Wassermanagement auf Basis von Sensordaten Anlagen überwachen und Leckagen frühzeitig identifizieren lassen. Oder weil die Anlagen der Wasserwirtschaft bei Starkregen automatisch reagieren und das Abwasser rechtzeitig in freie Kanäle und Regenüberlaufbecken umleiten können. Sie sehen, wenn die Versorger eng mit der IKT-Branche zusammenarbeiten, erhöht die Digitalisierung auch die Versorgungsqualität und -sicherheit.

Vielen Dank für das Gespräch!