Digitalisierung

Digitale Arbeitswelt: Teilnovellierung der Metall- und Elektroberufe

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Die Digitalisierung ändert die Anforderungen an Fachkräfte nachhaltig.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt: für die Metall- und Elektroindustrie stehen dabei die unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ beschriebenen Veränderungen in der industriellen Produktion im Mittelpunkt.

Die Energieversorgung bildet in den gleichen Berufen wie die Industrie aus und muss die Nachwuchskräfte neben der Digitalisierung auch auf die Herausforderungen der Energiewende vorbereiten.

Vor diesem Hintergrund haben die Sachverständigen der Industrie und der Energieversorgung in enger Zusammenarbeit die Ausbildungsordnungen beraten, mit Änderungen ist noch im zweiten Halbjahr 2018 zu rechnen.

von: Daniel Plötz (Avacon Netz GmbH)

Mit den Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung und die mit ihr einhergehenden Entwicklungen ändern sich auch die Anforderungen an die Fachkräfte und die dafür notwendigen Kompetenzen der Mitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie (M+E-Bereich). Damit sie in der Lage sind, diese Veränderungen zu bewältigen und mitzugestalten, müssen Aus- und Fortbildungen die neuen Anforderungen aufgreifen. Die Sachverständigenanhörung der Sozialpartner für die Änderungen der Ausbildungsordnung einschließlich der betrieblichen Ausbildungsrahmenpläne fand im November und Dezember 2017 statt. Zurzeit beraten die Sachverständigen der Länder, benannt durch die Kultusministerkonferenz (KMK), über die Änderung der Rahmenlehrpläne für die Berufsschulen.
 

Inhalte der Teilnovellierung

Die Teilnovellierung umfasst die folgenden drei Bereiche:

  • Die Qualifizierungsinhalte, die im Umgang mit digitaler Arbeit in Berufsbildern grundsätzlich notwendig sind, sind als neue integrative Berufsbildposition „Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“ in die genannten Ausbildungsordnungen aufgenommen worden.
  • Die jeweiligen Berufsbildpositionen „betriebliche und technische Kommunikation“ sowie „Planen und Organisieren der Arbeit, Bewerten der Arbeitsergebnisse“ sind im Hinblick auf die Industrie 4.0-relevanten Qualifikationsanforderungen aktualisiert worden.
  • Für bundesweit nachgefragte, berufsübergreifende und interdisziplinär begründete Qualifikationsanforderungen in zentralen Tätigkeitsfeldern der Industrie 4.0 wurden optionale Zusatzqualifikationen in die Ausbildungsordnungen aufgenommen.

Folgende Eckwerte wurden dabei auf Basis des Antrags für das Verfahren festgelegt:

  • keine Änderung der Berufsbezeichnungen,
  • keine Verlängerung der Ausbildungsdauer,
  • Berufsgruppenzugehörigkeit bleibt unverändert,
  • weiterhin gestreckte Abschlussprüfungen sowie
  • Struktur wird durch die Verordnung von Zusatzqualifikationen angepasst.
     

Aufnahme optionaler Zusatzqualifikationen

Die Aufnahme optionaler Zusatzqualifikationen erfüllt in zentralen Tätigkeitsfeldern der Industrie 4.0 ein kurzfristig realisierbares Angebot. In den beiden Verordnungen der industriellen Metall- und Elektroberufe werden in sieben Zusatzqualifikationen im Hinblick auf eine horizontale Qualifikationserweiterung oder Spezialisierungen die notwendigen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten benannt. Dazu gehören drei Zusatzqualifikationen der industriellen Elektroberufe sowie Mechatroniker (digitale Vernetzung, Programmierung und IT-Sichereit) sowie vier Zusatzqualifikationen der industriellen Metallberufe (jeweils Arbeitstitel: Systemintegration, Prozessintegration, additive Fertigungsverfahren sowie IT-gestützte Anlagenänderungen).
 

Prüfung der Zusatzqualifikation (Auszüge)

Die Prüfung der genannten Zusatzqualifikationen erfolgt in den nachfolgend aufgezählten Schritten:

  • Die Zusatzqualifikation wird auf Antrag des Auszubildenden geprüft, wenn dieser glaubhaft gemacht hat, dass ihm die erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt worden sind. Die Prüfung findet im Rahmen von Teil 2 der Abschlussprüfung als gesonderte Prüfung statt.
  • Mit dem Prüfling wird ein fallbezogenes Fachgespräch geführt.
  • Zur Vorbereitung auf das fallbezogene Fachgespräch hat der Prüfling eigenständig im Ausbildungsbetrieb eine praxisbezogene Aufgabe durchzuführen. Die eigenständige Durchführung ist vom Ausbildenden zu bestätigen.
  • Zu der praxisbezogenen Aufgabe hat der Prüfling einen Report zu erstellen. Den Report soll der Prüfling mit einer Anlage ergänzen. Die Anlage besteht aus Visualisierungen zu der praxisbezogenen Aufgabe.
  • Das fallbezogene Fachgespräch wird mit einer Darstellung der praxisbezogenen Aufgabe und des Lösungswegs durch den Prüfling eingeleitet. Ausgehend von der praxisbezogenen Aufgabe und dem dazu erstellten Report entwickelt der Prüfungsausschuss das fallbezogene Fachgespräch so, dass die in Absatz 3 genannten Anforderungen nachgewiesen werden können.
  • Das fallbezogene Fachgespräch dauert höchstens 20 Minuten. Bewertet wird nur die Leistung, die der Prüfling im fallbezogenen Fachgespräch erbringt.
  • Die Prüfung der Zusatzqualifikation ist bestanden, wenn die Prüfungsleistung mit mindestens der Note „ausreichend“ bewertet worden ist.

Die offene Struktur der M+E-Berufe ebenso wie die Ergebnisse bisheriger Forschungen und betrieblicher Erfahrungen belegen, dass neue Berufsbilder oder neue Zuschnitte von Berufsbildern aktuell nicht erforderlich sind. Vielmehr können die Berufe durch ihre gestaltungsoffene Struktur bedarfsgerecht aktualisiert werden. Die Änderungen sollen zum 1. August 2018 in Kraft treten. Sie gelten damit für alle Ausbildungsverträge, die ab diesem Datum neu abgeschlossen werden. Allerdings ist damit zu rechnen, dass Ausbildungsbetriebe bestehende Ausbildungsverträge umschreiben, um die neuen Zusatzqualifikationen nutzen zu können. Die Kultusministerkonferenz rechnet damit, dass vermutlich Anpassungen und Änderungen der berufsschulischen Rahmenpläne erforderlich werden und damit ein Rahmenlehrplanausschuss eingerichtet wird. Die beabsichtigten Zusatzqualifikationen werden in den Rahmenlehrplänen nicht abgebildet.

Einen Überblick über die insgesamt sieben optionalen Zusatzqualifikationen finden Sie hier.
 

Über den Autor

Daniel Plötz ist Mitglied im Sachverständigenverfahren.

Kontakt:
Daniel Plötz
Avacon Netz GmbH
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E-Mail: daniel.ploetzavaconde
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