Digitalisierung

"Eine Digitalisierung um jeden Preis ist nicht die Devise der Branche."

Energie und Wasser Potsdam GmbH

"Die traditionellen Geschäftsmodelle der Wasserversorgung dürfen nicht im Sinne von Stagnation verstanden werden", sagt Ulf Altmann, Geschäftsführer der Energie und Wasser Potsdam GmbH und Moderator der wat-Diskussion: Geschäftsmodell Wasserversorgung – heißt die Zukunft Tradition oder Disruption?

Herr Altmann, vor welchen Herausforderungen steht die Wasserversorgungswirtschaft heute und haben die traditionellen Geschäftsmodelle damit ausgedient?

Zu den größten Herausforderungen zählen heute die Sicherung der Grundwasser-Ressourcen in qualitativer und quantitativer Hinsicht sowie die Anpassung der Gewinnungs-, Aufbereitungs- und Speicherungskapazitäten als auch der Versorgungsnetze an höhere Spitzenbedarfe. Gerade in diesem Sommer war deutlich spürbar, dass die von Klimaforschern prognostizierte Zunahme von Extremwetterereignissen und längeren Trockenwetterphasen sehr schnell Realität werden kann. Hier ist die Kernaufgabe der Wasserversorgung berührt und die Unternehmen der Branche stehen zur Lösung der damit verbundenen Probleme in einem stetigen Entwicklungsprozess. Die nach dem Örtlichkeitsprinzip verankerten Versorgungsstrukturen haben sich größtenteils bewährt und wurden durch Betriebsführungs- und Dienstleistungsmodelle ergänzt und weiterentwickelt. Ebenso werden die allgemein anerkannten Regeln der Technik kontinuierlich angepasst, sodass insgesamt die traditionellen Geschäftsmodelle der Wasserversorgung nicht im Sinne von Stagnation verstanden werden dürfen.

Disruption erfordert Innovation, wenn nicht sogar Revolution. Ist die Wasserversorgungswirtschaft bereit für einen tiefgreifenden Wandel?

Über die eben beschriebenen Kernaufgaben hinaus gibt es durch die fortschreitenden Digitalisierungsprozesse weitere Herausforderungen im gesamten Geschäfts- und Anlagenbetrieb einer modernen Wasserversorgung. Digitale Mess- und Regeleinrichtungen zur Fernsteuerbarkeit von Anlagen sind in vielen Unternehmen längst Stand der Technik und einige Wasserversorger sammeln bereits Erfahrungen mit fernauslesbaren Wasserzählern. Auch hier wird deutlich, dass die Wasserversorgung die Zeichen der Zeit versteht und sich an den Entwicklungsprozessen beteiligt. Dabei wird jedoch sorgfältig abgewogen, welche Schritte im Sinne einer nachhaltigen Versorgungs- und Geschäftspolitik sinnvoll sind. Eine Digitalisierung um jeden Preis ist dabei nicht die Devise der Branche. Die deutsche Wasserversorgung hat sich über viele Jahrzehnte großes Vertrauen und eine hohe Kundenzufriedenheit erarbeitet, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Mit Verbesserung der Informationssicherheit im Zuge der Digitalisierung werden sich aber auch in der Wasserwirtschaft neue Strategien entwickeln und Vorteile durch die intelligente Vernetzung von digitalen Mess- und Steuerungsprozessen mit der kaufmännischen Prozesskette entstehen. Dies wird jedoch nicht zu einem tiefgreifenden Wandel der Kernaufgaben der Wasserversorgung führen, denn der natürliche Wasserkreislauf wird auch künftig vor Ort stattfinden und der Garant für unsere wichtigste Lebensgrundlage bleiben.

Welche Bedeutung spielt in Ihrem Unternehmen die Digitalisierung bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle?

Viele Kunden haben digitales Know-how und sind durch Erfahrungen aus anderen Branchen geprägt. Diese Erwartungen stellen sie folglich auch an ihren Versorger. Aus diesem Grund haben wir eine konzernweite Digitalisierungsstrategie entwickelt. Ziel dabei ist es, durch eine Neugestaltung unserer Prozesse und die Verknüpfung von kundenbezogenen Daten effizienter zu agieren und den Kunden passgenau beraten zu können. Außerdem ändern sich durch digitale Technologien unsere Produkte und Services. So können z. B. die genannten intelligenten Messsysteme oder digitale Service- und Vertriebskanäle dem Kunden einen höheren Nutzen bieten und Prozesse vereinfachen. Besonders in der Wasserversorgung werden wir in Zukunft durch intelligente Wassernetzwerke unsere Leistungsfähigkeit und Qualität steigern und dem Kunden einen umfassenderen Service bieten können. Auch Onlineportale wie ein Baustellenatlas tragen zukünftig zu einem verbesserten Service bei. Jedoch sind die digitalen Entwicklungen und Möglichkeiten immer vor dem Hintergrund der Informationssicherheit und datenschutzrechtlichen Fragestellungen zu bewerten.

Herr Altmann, vielen Dank für das Gespräch!