Praxis

Biogas innovativ vernetzt

KNE

Im Rahmen des Projektes "Regionales Verbundsystem Westeifel" werden neben Trinkwasser-, Strom- und Telekommunikationsleitungen auch Biogas- und Erdgasleitungen verlegt.

Eine rund 45 Kilometer lange Biogasleitung sammelt zukünftig das Rohbiogas bereits vorhandener Anlagen ein und transportiert es zu einer zentralen Aufbereitungsanlage. Dort wird das Biogas auf Erdgasniveau veredelt und als Biomethan ins Gasnetz eingespeist.

So schaffen die Biogaspartner Bitburg, eine gemeinsame Gesellschaft der SWT Stadtwerke Trier Versorgungs-GmbH, des privaten Entsorgungsbetriebs Lucia Francois GmbH und der Landwerke Eifel AöR, die Voraussetzungen für einen wichtigen Baustein der regionalen Energiewende.

von Jan Maier, Stadtwerke Trier AöR

Die Biogasleitung samt Aufbereitungsanlage soll im Laufe des Jahres 2018 im Rahmen des Projektes Regionales Verbundsystem Westeifel verlegt werden. So erhalten die Landwirte eine neue Perspektive, denn für viele Biogas-Anlagen im Projektgebiet läuft die 20-jährige Vergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und somit die Grundlage für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage in Kürze aus. Dieses regionale Potenzial möchten die Stadtwerke Trier (SWT) zukünftig nutzen und so ihren Bioerdgas-Einkauf am freien Markt reduzieren. „Damit halten wir die Wertschöpfung in der Region und machen einen großen Schritt in Sachen regionaler Energieabgleich“, erläutert SWT-Technikvorstand Arndt Müller.

Die Ziele: Durch die flexible Verstromung des Bioerdgases in den SWT-eigenen Blockheizkraftwerken kann die fluktuierende Stromerzeugung der erneuerbaren Energien in der Region ausgeglichen werden. Zweitens können die Kunden von einem nachhaltigen regionalen Energieprodukt profitieren. Und drittens schafft der Bau einer zentralen Aufbereitungsanlage auch optimale Voraussetzungen für den möglichen Aufbau einer Power-to-Gas-Anlage, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen für diese Technologie gegeben sind.

Das Regionale Verbundsystem Westeifel

Kernstück des Verbundsystems ist der Bau einer neuen integrierten Leitungstrasse für Trinkwasser, Strom, Erdgas, Biogas und Telekommunikation. Die Trasse soll künftig von der nördlichen Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bis nach Trier im Süden verlaufen. Durch die geschickte Nutzung der topografischen Gegebenheiten kann der regionale Energieeinsatz für die Trinkwasserversorgung minimiert werden.

Unter Einbindung regionaler regenerativer Energieanlagen, wie Biogas, Wind, Sonne und Wasser, und die Optimierung und intelligente Steuerung der Lastprofile – beispielsweise von Kläranlagen, Trinkwasseranlagen oder Industriekunden – schafft das Projekt einen Energieabgleich in der Region und leistet somit einen entscheidenden Beitrag für den regionalen Klimaschutz. Rund 245.000 Bürgerinnen und Bürger profitieren von einer bezahlbaren Energie- und Wasserversorgung durch das neue Verbundsystem. Nebenbei könnten bis zu 27.000 Haushalte und viele Gewerbegebiete an dem im Projekt mitverlegten Glasfasernetz partizipieren. Das Umweltministerium des Landes Rheinland-Pfalz fördert das Regionale Verbundsystem Westeifel – konkret den Aufbau des Wasserverbundsystems – in den kommenden acht Jahren mit rund 25 Mio. Euro.

Das Biogas-Projekt in Zahlen

Insgesamt stehen 48 Biogasanlagen in räumlicher Nähe zur neuen Trasse zur Verfügung. Diese können zusammen etwa 10.000 Kubikmeter Rohbiogas pro Stunde produzieren. Aufs Jahr gerechnet entspricht das rund 64 Millionen Kilowattstunden. Damit kann rechnerisch ein gutes Drittel des jährlichen Erdgasbedarfs der nahe gelegenen Stadt Bitburg mit ihren 14.000 Einwohnern gedeckt werden.

 

Zum Projektstart werden sieben Biogasanlagen ihr Rohbiogas einspeisen. Das Biogas wird dezentral eingesammelt und an einem zentralen Standort in der Nähe von Bitburg zu Bioerdgas (Biomethan) aufbereitet. Dieses Biomethan kann anschließend in unbegrenzten Mengen in das bereits vorhandene Erdgasnetz der Stadtwerke Trier eingespeist und dann zur Verstromung in Blockheizkraftwerken mit Wärmenutzung verwendet werden. Die Kooperation zwischen kommunalem Energieversorger, Privatunternehmen und Landwirten ist ein gutes Praxisbeispiel, wie die Energiewende vor Ort umgesetzt werden kann.

 

 

Die intelligente Vernetzung und die markt-, netz- und systemdienliche Steuerung dieses sogenannten Biogasverbunds über selbstlernende Softwaresysteme wird im Rahmen des Forschungsprojekts Designetz untersucht und umgesetzt. An einer der angebundenen Biogasanlagen wird das Blockheizkraftwerk im Rahmen des Forschungsprojekts um einen Elektroerhitzer ergänzt. So wird die Wärmeversorgung sichergestellt und es kann flexibel zwischen dem Betrieb des Blockheizkraftwerks und des Elektroerhitzers gewechselt werden. Im Rahmen des Projekts wird untersucht, welchen Beitrag diese Sektorenkopplung zwischen Strom, Wärme und Biogas leisten kann, um das zukünftige Energiesystem auszuregeln.

Über den Autor

Jan Maier arbeitet als Leiter Einkauf und Betriebsaufgaben bei der Stadtwerke Trier AöR.

Tel.: 0651 717-3400
E-Mail: jan.maierswtde
Website: www.swt.de