Technik

Die Nordschwarzwaldleitung – Gasinfrastruktur für die Energiewende

terranets bw

Die Nordschwarzwaldleitung verläuft auf insgesamt rund 71 Kilometern Länge durch Baden-Württemberg - das sind rund 11.000 Tonnen Stahl. Durch die Nordschwarzwaldleitung kann die Transportkapazität von Erdgas in Baden-Württemberg nachhaltig gesteigert werden.

Erdgas als effizienter Energieträger spielt eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige Energieversorgung. Die Gasinfrastruktur kann beispielsweise als Speicher für regenerativ gewonnene grüne Gase genutzt werden. Und durch die Kopplung der Strom- mit der Gasinfrastruktur kann ein effizientes, zukunftsfähiges und bezahlbares Energiesystem realisiert werden.

Zur Erhöhung der Erdgastransportkapazitäten für Baden-Württemberg baute die terranets bw die Norschwarzwaldleitung (NOS) von Au am Rhein über Ettlingen und Pforzheim nach Leonberg.

Mit dem Bau der neuen Erdgasfernleitung wurde das süddeutsche Gasfernleitungsnetz noch besser an das europäische Netz angebunden und die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg signifikant erhöht.

von Katrin Flinspach, terranets bw GmbH

In Deutschland stehen alle Zeichen auf Energiewende. Damit der Umstieg auf eine Versorgung mit regenerativen Energien gelingen kann, muss die Energieinfrastruktur ausgebaut werden. Das betrifft neben dem Stromübertragungsnetz auch das Gasfernleitungsnetz. Die vorhandene, gut ausgebaute Gasinfrastruktur für Erzeugung, Transport, Verteilung und Speicherung, ist für den ersten Transformationsprozess, den Fuel-Switch (Ersatz von Kohle und Erdöl durch Erdgas), bereits vorbereitet. Und die Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur bietet weitere Vorteile, wie die Studie Der Wert der Gasinfrastruktur für die Energiewende der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics belegt. Indem Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien in Power-to-Gas-Anlagen in klimaneutral erzeugtes, sogenanntes grünes Gas, umgewandelt werden, kann dieses über lange Zeiträume und in großen Mengen im Gasfernleitungsnetz gespeichert werden.

Wird die bereits vorhandene Gasinfrastruktur in das zukünftige Energiesystem mit einbezogen, kann auch der parallel beginnende Content-Switch (kontinuierliche Erhöhung des Anteils grüner Gase) gelingen. Zugleich wird die Akzeptanz für das gesamtgesellschaftliche Projekt Energiewende durch den reduzierten Bedarf an Stromnetzausbau erhöht – und das bei deutlich reduzierten Kosten. Daneben bringt die Nutzung der Gasnetze auch die Energiewende im Wärmesektor voran. Mit der intelligenten Verknüpfung der Strom- und Gasinfrastruktur, dem Modal Switch, kann dann ein effizientes, zukunftsfähiges und bezahlbares Energiesystem erreicht werden.

Strategische Planung für Europas Gastransportnetz

Um dem kontinuierlich steigenden Bedarf an Gastransportkapazitäten in Baden-Württemberg gerecht zu werden, baut terranets bw die Gasinfrastruktur im Land weiter aus. Als Fernleitungsnetzbetreiber im Südwesten hat das Unternehmen die Aufgabe, die sichere Versorgung Baden-Württembergs und des angrenzenden Auslandes mit Gas zu gewährleisten sowie die verbesserte Anbindung an das europäische Gasnetz voranzutreiben. Eines der Ausbauprojekte ist die 71 km lange Nordschwarzwaldleitung (NOS), die das Netz der terranets bw an die Trans-Europa-Naturgas-Pipeline (TENP) anbindet.

Die TENP ist eine der größten und wichtigsten Nord-Süd-Gastransportleitungen Europas und transportiert derzeit Erdgas von den Niederlanden bis in die Schweiz und nach Italien. Die NOS wiederum verläuft von Au am Rhein über Pforzheim nach Leonberg und transportiert so Erdgas in den Großraum Stuttgart. Bei einer möglichen Umkehr der Flussrichtung der TENP können sich für Baden-Württemberg zudem neue Zugänge für Gaslieferungen aus dem Mittelmeerraum ergeben.

 

Mit dem Bau der Nordschwarzwaldleitung kann die terranets bw auf ein erfolgreiches Großprojekt zurückblicken: Neun Jahre nach dem Planungsstart wurde die NOS Anfang 2016 in Betrieb genommen. Als Bestandteil des deutschlandweiten Netzentwicklungsplans Gas war die Umsetzung der Netzausbaumaßnahme durch terranets bw verbindlich. Seit Beginn der Planung für die Nordschwarzwaldleitung und bereits im Vorfeld des Raumordnung- und des Planfeststellungsverfahrens erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit Behörden, Kommunen und Verbänden.

Trassenverlauf und Inbetriebnahme

Der erste, 15 km lange Abschnitt der Nordschwarzwaldleitung von Au am Rhein nach Ettlingen wurde zwischen März und Dezember 2014 errichtet. Die zahlreichen Infrastruktureinrichtungen, die die Region Karlsruhe und das Rheintal durchziehen, stellten sich dabei als technische Herausforderungen dar: Neben Stromübertragungstrassen waren insbesondere Verkehrsinfrastrukturen wie Bahntrassen und Bundes- und Landesstraßen zu berücksichtigen. Der zweite Abschnitt der Leitung mit einer Länge von rund 56 km, von Ettlingen über Pforzheim in den Großraum Stuttgart, wurde 2016 fertiggestellt.

Durch einen möglichst geraden Trassenverlauf, das Vermeiden bebauter Gebiete und einen sorgfältigen Umgang mit landwirtschaftlich genutztem Boden hat terranets bw ihr Ziel einer umweltgerechten sowie nachhaltigen Planung und Baurealisierung umgesetzt. War die Durchquerung von Naturschutz-, Wasserschutz- und Waldgebieten nicht zu vermeiden, wurde die schonende Durchquerung des betreffenden Gebietes sichergestellt. Neben dem Natur-, Boden- und Umweltschutz hatte das Thema Sicherheit oberste Priorität. Unabhängige, behördlich anerkannte Sachverständige überwachten den gesamten Bauprozess und führten intensive Prüfungen, insbesondere hinsichtlich Dichtheit und Festigkeit der Leitung, durch.

 

 

Damit ein solches Großprojekt erfolgreich umgesetzt werden kann, sind zum einen die enge Zusammenarbeit zwischen den Projektträgern und deren Dienstleistern und eine frühzeitige Identifizierung der Anliegen aller wesentlichen Stakeholder entlang der Trasse, zum anderen die Einbindung der Betroffenen noch vor dem Beginn der offiziellen Verfahren wichtig. Und der Bau der Nordschwarzwaldleitung zahlt sich aus: Mit der Realisierung des Projekts wurde die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg signifikant erhöht. Zudem wurde mit der NOS die Grundlage für weitere Netzausbaumaßnahmen der terranets bw geschaffen.

Aktuell befinden sich eine Verdichterstation an der Nordschwarzwaldleitung und eine Anbindung des Raumes Heilbronn an die NOS in der Planungs- und Genehmigungsphase. So setzt sich terranets bw für einen bedarfsgerechten Ausbau des Fernleitungsnetzes und die Realisierung eines effizienten, zukunftsfähigen und bezahlbaren Energiesystems ein.

Weitere Fakten zur Nordschwarzwaldleitung erfahren Sie unter www.terranets-bw.de/erdgastransport/netzausbauprojekte/nordschwarzwaldleitung/

Über die Autorin

Katrin Flinspach ist Geschäftsführerin der terranets bw GmbH in Stuttgart.

Tel.: 0711 7812-0
E-Mail: leitungsprojektterranets-bwde
Website: www.terranets-bw.de