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Erfolge und Herausforderungen beim Gewässerschutz

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Gewässer wie der hier gezeigte Baldeneysee im Essener Süden sind immer besser vor Schadstoffen geschützt – das ist das Ergebnis eines unter der Federführung des UBA entstandenen Berichts.

Die Gewässer in Europa werden immer effektiver vor Schadstoffen geschützt – dies verdeutlicht ein aktueller Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) mit dem Titel „Chemikalien in den Gewässern Europas – Kenntnisse heute“.

Dieser an sich positiven Entwicklung stehen gleichzeitig Herausforderungen im Gewässerschutz entgegen, z. B. in Form von Quecksilber, Pestiziden und in der EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht geregelten Stoffen wie Arzneimitteln.

Seit rund 50 Jahren geht die Europäische Union gemeinsam mit der internationalen Politik gegen die Verschmutzung von Gewässern vor, und dies mit Erfolg: Sogenannte „Tote Flüsse“, die das Ergebnis von außerordentlich starken Schadstoffbelastungen sind, treten heute nur noch sehr selten auf. Durchweg positiv ist die Bilanz jedoch auch im Jahr 2019 noch nicht. Den 38 Prozent der Oberflächengewässer in Europa, die sich in einem guten chemischen Zustand befinden, stehen laut dem EUA-Bericht rund 46 Prozent in einem weniger guten Zustand entgegen; bei 16 Prozent ist der Zustand unklar. Grundlage für dieses Ergebnis sind Daten der Mitgliedsstaaten über die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Der Bericht ergänzt und vertieft den bereits im Juli 2018 erschienenen EUA-Bericht „Status der Gewässer“; bei beiden Projekten war das Umweltbundesamt (UBA) federführend beteiligt.

Drei Stoffgruppen sind für die hier beschriebene Belastung maßgeblich: Quecksilber (z. B. aus der Kohleverbrennung), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) (Quelle: Verbrennungsprozesse und Raffinerieerzeugnisse) sowie bromierte Flammschutzmittel, die in den meisten Fällen aus Produkten stammen, die brandgeschützt behandelt wurden. Um die daraus resultierenden Belastungen der Gewässer abzumildern, muss zunächst analysiert werden, wie genau die beschriebenen Stoffgruppen in die Gewässer eingetragen werden. Im darauffolgenden zweiten Schritt gilt es zu erforschen, welche Ansätze und Maßnahmen zu der jetzt festgestellten, rückläufigen Belastung beigetragen haben. Eine Herausforderung dabei ist die unzureichende Datenlage, insbesondere bei den diffusen Quellen – an dieser Stelle müssen die Berechnungsmodelle optimiert werden.

Für eine vergleichsweise kleine Anzahl von Schadstoffen (aktuell: 45 Stück) wird mit Umweltqualitätsnormen der chemische Zustand bewertet. Dieser seit Jahren etablierte Ansatz orientiert sich an den EU-Regelungen für Stoffe und Quellen der Gewässerbelastung. Die Überwachung liefert wichtige Rückschlüsse auf die Effizienz dieser Regelungen und Maßnahmen. Gleichwohl gilt es zu beachten, dass aktuell primär große Gewässer überwacht werden; eine Ausweitung auf kleinere Gewässer soll in Zukunft erfolgen.


In den letzten zwei Jahrzehnten ist das Wissen um die komplexen Zusammenhänge zwischen Chemikalien und Lebewesen rasant angewachsen. So ist heute bekannt, dass Tiere durch niedrig konzentrierte Schadstoffe zwar nicht getötet werden, diese jedoch das Verhalten oder die Fortpflanzung negativ beeinflussen können. Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang auch der „Cocktail“-Effekt, bei dem mehrere gering dosierte Schadstoffe miteinander vermischt werden. Neue Ansätze, welche die biologischen Wirkungen statt die Konzentrationen im Gewässer zu messen, eröffnen Möglichkeiten, um das Risiko zu bewerten. Solche Methoden lenken den Fokus auf Stoffe wie Pestizide, Biozide und Arzneimittel.

Der nun vorgelegte Bericht zeigt sowohl die Erfolge bei der Überwachung und dem Schutz der Gewässer als auch die diesbezüglich bestehenden Defizite auf und formuliert Verbesserungsvorschläge. Für den Gewässerschutz sind demnach weitergehende Abwasserbehandlung, bessere Regenwasserbehandlung und Pestizidmanagement in der Landwirtschaft vor allem dort erforderlich, wo Umweltqualitätsnormen überschritten werden. Quecksilber muss – und kann – aus dem Rauchgas der Kohlekraftwerke weitergehend entfernt werden. Darüber hinaus sollte die Liste prioritärer Stoffe überprüft werden, um diejenigen Chemikalien zu streichen, die kein Problem mehr sind; stattdessen gilt es, zukünftige Problemstoffe zu überwachen.