Technik

Erneuerbarer Wasserstoff durch Power-to-Gas in Unterfranken

René Ruprecht/SW Haßfurt

In der Gasdruckregel- und Messanlage wird dem Erdgas der produzierte Wasserstoff beigemischt.

Seit Oktober 2016 betreiben die Städtischen Betriebe Haßfurt und der Hamburger Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy einen Windgas-Elektrolyseur

Die hochmoderne Anlage wandelt überschüssigen Strom aus dem Bürgerwindpark Sailershäuser Wald sowie aus weiteren Windenergie- und Solaranlagen in erneuerbaren Wasserstoff um.

Pro Jahr speist der containergroße Elektrolyseur eine Million Kilowattstunden des Öko-Gases für die 14.000 proWindgas-Kunden von Greenpeace Energy ins Gasnetz ein.

von: Markus Eichhorn, Stadtwerk Haßfurt GmbH

Mit zunehmendem Ausbau der erneuerbaren Energien sehen sich die Betreiber von Stromverteilnetzen heute anderen Herausforderungen gegenüber als in Zeiten der Großkraftwerke und reinen Verteilung des Stroms. Die Auswirkungen des Ausbaus der volatilen erneuerbaren Energien waren einer der Hauptbeweggründe für die Stadtwerk Haßfurt GmbH, sich weitergehende Gedanken über die Entwicklungen im eigenen Netzbereich zu machen. Noch in der Bauphase des Projektes Bürgerwindpark Sailershäuser Wald wurden Gespräche mit dem Projektpartner Greenpeace Energy über eine weitere Verwendungsmöglichkeit der lokalen Stromüberschüsse geführt. Aus diesen Gesprächen ging der gemeinsame Wunsch nach einer Power-to-Gas-Anlage hervor.


Über den PTJ wurde zunächst ein Förderantrag an das bayerische Wirtschaftsministerium gestellt, der jedoch abgelehnt wurde. Somit mussten sich die Projektpartner Greenpeace Energy und das Stadtwerk Haßfurt selbst um die Verwirklichung des nächsten Schrittes in der Energiewende kümmern und das Projekt Power-to-Gas ohne Beihilfen angehen.

Ziel dieses Projekts ist die Verlagerung von Spitzenüberschüssen im Stromsektor in das Gasnetz und die Erhöhung der Netzstabilität. Die eigens dafür gegründete Gesellschaft „Windgas Haßfurt GmbH & Co. KG“ mit den Gesellschaftern Greenpeace Energy und Städtische Betriebe Haßfurt setzten das Power-to-Gas-Projekt im Jahr 2016 um. Seit Oktober 2016 betreibt diese Gesellschaft einen PEM-Elektrolyseur mit einer Anschlussleistung von 1,25 MW, um Wasserstoff aus erneuerbarem Strom herzustellen. Der Wasserstoff wird als Beimischung direkt in das örtliche Gasverteilnetz eingespeist. Zu den Abnehmern der Anlage gehört z. B. eine benachbarte Mälzerei, die das Windgas dem Erdgas beimischt, mit dem sie ihr Blockheizkraftwerk befeuert. Die Produktionszeiten der Power-to-Gas-Anlage werden maßgeblich von der lokalen Produktion erneuerbaren Stroms und dem Lastgang im Gasnetz beeinflusst. Um den Anlagenbetrieb flexibler gestalten zu können, steht noch ein Speichertank für den Wasserstoff zur Verfügung. Einen weiteren Einfluss auf den Betrieb der Power-to-Gas-Anlage hat die Bereitstellung von primärer und sekundärer Regelenergie über einen Direktvermarkter. Gesteuert wird die Windgasanlage von Köln aus. Sie ist die erste Power-to-Gas-Anlage unter rund 3.000 dezentralen Kraftwerken – Biogasanlagen, Windräder, Solarparks, Blockheizkraftwerke, Wasserkraftanlagen etc. –, die die „Next Kraftwerke GmbH“ zu einem großen virtuellen Kraftwerk zusammengefasst hat. Als Teil eines Virtuellen Kraftwerks trägt die Anlage zur Stabilisierung des Stromnetzes bei.


Völlig konträr dazu steht die Tatsache, dass für solche Anlagen – obwohl sie netzdienlich sind – die volle EEG-Abgabe auf den gesamten Strombezug fällig ist. Durch den weiteren Ausbau von Power-to-Gas-Anlagen kann die Gasbranche einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten und so auch den Netzausbau im Stromsektor positiv beeinflussen. Darüber hinaus wurde von Seiten der Politik eine drastische Reduzierung des CO2-Ausstoßes beschlossen, aber Technologien, die „grünen“ Wasserstoff bereitstellen, bei dessen Verbrennung kein CO2 entsteht, werden nicht direkt gefördert. Eine konkrete Planung der Energiewende in allen Sektoren, mit der ein Erreichen der bereits gesetzten Ziele gewährleistet werden kann, ist ein Appell an die Politik.

 

Über den Autor:

Markus Eichhorn ist Projektingenieur bei der Stadtwerk Haßfurt GmbH.

Kontakt:
Stadtwerk Haßfurt GmbH
Augsfelderstr. 6
97437 Haßfurt
E-Mail: markus.eichhornstwhasde
Internet: www.stwhas.de