Technik

Investitionen in Infrastruktur von Morgen heute planen

Harzwasserwerke

Dr. Christop Donner ist seit 2017 Technischer Geschäftsführer des Wasserfernversorgers Harzwasserwerke GmbH mit Sitz in Hildesheim. Nach beruflichen Stationen in Dortmund, Wien und Berlin war er zuvor Technischer Leiter der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW). Dr. Donner ist Mitglied im Water Innovation Circle und berufenes Mitglied des DVGW-Präsidiums.

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Die Redaktion der DVGW energie | wasser-praxis im Gespräch mit Dr. Christoph Donner, Technischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke, über die Wasserwirtschaft im Spannungsfeld zwischen technischem Fortschritt und Wirtschaftlichkeit.

Laut BDEW haben die deutschen Wasserversorger im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro hauptsächlich in die Instandhaltung und Modernisierung von Anlagen und Rohrnetzen investiert. Das sind fast 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch prognostiziert der BDEW eine weitere signifikante Zunahme der Investitionen. Was sind die Ursachen für diesen großen Investitionsbedarf?
Aus meiner Sicht gibt es mehrere Gründe, warum der Investitionsbedarf für Instandhaltungen und Modernisierungen steigt. Erstens befinden sich die Anlagen vieler Infrastrukturbetreiber der Wasserwirtschaft im fortgeschrittenen Lebenszyklusalter. Da es Anfang des 20. Jahrhunderts eine Blütezeit des Anlagen- und Leitungsbaus im Bereich der Wasser- und Abwasserleitungen gab, kommt jetzt die Epoche der Erneuerung auf uns zu. Zweitens muss die Wasserwirtschaft ihre Anlagen an die Rahmenbedingungen von heute und die der Zukunft anpassen. Die Zeitspannen, die dabei überblickt werden müssen, sind gewaltig. Unsere Denkhorizonte sind Jahrzehnte und Jahrhunderte.


Was bedeutet das für den Infrastrukturausbau?
Für manche Gebiete wie im Osten oder in den ehemaligen Bergbaugebieten im Ruhrgebiet kann das Rückbau statt Auf- oder Ausbau heißen. In anderen Gebieten, die sich im wirtschaftlichen Aufschwung befinden oder stark urbanisieren, sind dagegen Kapazitäten voll ausgelastet und Anlagen müssen an die größere Nachfrage angepasst werden. Der Klimawandel kann hier in Zukunft als Katalysator dienen, der Trends verstärken wird. Welche Kosten hier noch auf uns zukommen, ist schwer abzuschätzen.


Zumal auch Infrastrukturmaßnahmen immer teurer werden, oder?
Ja, ganz genau. Das ist auch der dritte Grund für steigende Investitionen, den ich nennen möchte. Instandhaltungen und Modernisierungen an sich werden immer teurer. In den 2000ern konnten wir als Branche durch die Professionalisierung des Einkaufs Kosten einsparen – aber die Zeiten sind durch den Bauboom in Deutschland und die voranschreitenden Investitionen in die Digitalisierungs-Infrastruktur meiner Meinung nach vorbei. Im Gegenteil: Die Kosten für den Tief- und Rohrbau steigen signifikant an, Ausschreibungen werden immer öfter aufgehoben, da die Ausschreibungsergebnisse deutlich von den Planungskosten abweichen oder einfach keine Angebote von den Marktteilnehmern abgegeben werden. Und auch die Umweltauflagen und Planfeststellungsverfahren verursachen höhere Kosten.

"Für große Investitionsprojekte ist unter den aktuellen Marktbedingungen eine Kostenprognose  im Planungsprozess nur mit sehr hohen Schwankungsbereichen möglich."

Die Instandhaltungskosten würden also auch dann deutlich steigen, wenn die Branche keine Anlagen erneuern oder an die Zukunft anpassen würde?
Ja, das ist richtig. Für große Investitionsprojekte ist unter den aktuellen Marktbedingungen eine Kostenprognose im Planungsprozess nur mit sehr hohen Schwankungsbereichen möglich. Auch hier müssen wir uns intensiver mit dem Markt, den Marktmechanismen und Lösungsansätzen für ein sicheres und nachhaltiges Preisniveau für die Erneuerung der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur engagieren. Die Renaissance des Insourcings, also des Wiederaufbaus der Tief- und Rohrbauressourcen in den Wasserwirtschaftsunternehmen kann ein Weg sein, um auf die Marktentwicklung und die anstehenden Investitionen zu reagieren. Das hängt auch sehr stark davon ab, wie homogen oder heterogen die Anforderungen aus dem Anlagenbestand eines Unternehmens sind und ob eine kontinuierliche, langfristige Auslastung gesichert ist.


Was muss jetzt unternommen werden, um die nötigen Investitionen stemmen zu können?
Obwohl die Wasserwirtschaft als langfristige und versorgungskritische Infrastruktur einen wesentlichen Teil der Daseinsvorsorge darstellt, bekommen wir nur schwer und auch keine günstigen Kredite. Denn die Finanzwirtschaft will auch von uns Erlöse und Sicherheiten für die Kredite sehen – und das ist auch ihr gutes Recht. Wir können aber nicht wie andere Unternehmen Risiken eingehen, wir stehen als Wasserwirtschaft für die Daseinsvorsorge.

"Wir müssen als Branche umdenken und dürfen uns nicht von alten Denkmustern in die Irre führen lassen. Ein niedriger Preis ist heute nicht mehr Qualitätsmerkmal eines Wasserversorgers."

Ist die Stellschraube also der Wasserpreis?
Wir müssen als Branche umdenken und dürfen uns nicht von alten Denkmustern in die Irre führen lassen. Ein niedriger Preis ist heute nicht mehr Qualitätsmerkmal eines Wasserversorgers. Wichtig ist, dass die Anlagensubstanz erhalten wird und die Fixkostenteil in den Wasserpreisen mehrheitlich abgebildet werden. Das Kartellrecht darf nicht wie ein Damoklesschwert über dem Wasserpreis hängen.


Soll oder kann die Politik an dieser Stelle etwas für die Wasserwirtschaft tun?
Die Politik muss im Gegenzug zur Aufrechterhaltung und Anpassung der Infrastruktur angemessene Preise unterstützen. Wir erbringen eine wichtige Grundleistung für viele Sektoren und vielfach ist z. B. die wirtschaftliche Grundleistung nicht deutlich genug herausgearbeitet. Hier besteht Handlungsbedarf, unsere Systemleistung darzustellen und auch finanztechnisch neu zu bewerten. Und wir brauchen Klarheit und Transparenz über den gesamten Investitionsbedarf in unserer Branche.

"Meiner Meinung nach kann es nur auf ein Konjunkturpaket III für die Infrastruktur in Deutschland hinauslaufen."

In einigen Bundesländern wie Niedersachsen oder Berlin arbeitet die Politik bereits an Wasserversorgungskonzepten, um die aktuelle Situation zu überprüfen …
Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, der aber noch keine Klarheit darüber bringt, wer die Investitionen bezahlen soll. Wofür steht die Politik? Sollen die Kosten solidarisch auf alle Kunden verteilt werden oder gilt hier das Verursacherprinzip? Meiner Einschätzung nach kann es nur auf ein Konjunkturpaket III für die Infrastruktur in Deutschland hinauslaufen. Sicherer Zugang zu sauberem Trinkwasser ist eine gesamtgesellschaftliche  Aufgabe. Genauso wie der digitale Ausbau oder die marode Infrastruktur im Bereich der Straßen und Brücken.


Gibt es gravierende regionale Unterschiede der Asset-Situation oder ist der Zustand der Wasserversorgungsleitungen überwiegend vergleichbar?
Die Rehabilitationsquote liegt in der Wasserbranche deutschlandweit im Durchschnitt bei rund 0,67 Prozent. Hinter diesem Durchschnittswert verbirgt sich aber eine große Spanne: Schleswig-Holstein z. B. hat eine Rehabilitationsquote von 2,53 Prozent und Niedersachsen nur von 0,41 Prozent. Gleichzeitig ist die Schadensrate an Versorgungsleitungen aber in Niedersachsen auch unter dem bundesdeutschen Schnitt von 0,076 Prozent.


Heißt das, bei Ihren Rohrleitungen ist alles in Ordnung?
Diese Zahlen sind wichtig, müssen aber interpretiert werden. Wir haben je nach Bundesland und sogar Landstrich sehr unterschiedliche geologische Bedingungen. In den verschiedenen Ländern wurden auch unterschiedliche Materialien verbaut und das Lebensalter der Leitungen variiert stark. Eigentlich müsste unsere Rehabilitationsquote als Branche bei 1 Prozent liegen, wenn wir von einem Lebenszyklus unserer Anlagen von 100 Jahren ausgehen. Das hieße, dass wir jedes Jahr als Branche 1 Prozent unserer Anlagen erneuern und so immer einen gleichbleibenden Zustand unserer Assets gewährleisten. In der Realität sind aber z. B. bei den Harzwasserwerken Trassensysteme und Anlagen gleichzeitig entstanden. Und sie müssen auch gleichzeitig auf einen Schlag erneuert werden. Anders sieht es da bei organisch gewachsenen Netzen beispielsweise in der Endverteilung aus, in denen es möglich ist, schrittweise zu erneuern. Aus technischer und kaufmännischer Sicht mus der richtige Zeitpunkt einer Investition abgepasst werden. Alt heißt nicht gleich schlecht. Darum ist es wichtig, zu wissen, in welchem Zustand sich das Leitungsnetz befindet. Als Branche steht uns ein Investitionsschub bevor, den Hamburg und Berlin schon gezündet haben.

Die Harzwasserwerke haben im Frühjahr eine Hightech-Initiative gegründet. Was haben Sie konkret vor?
Eine Analyse im laufenden Betrieb stellt uns als Wasserversorger vor große Herausforderungen. Grundsätzlich haben wir schon in den vergangenen Jahren an dieser Herausforderung gearbeitet. Heute werden Materialuntersuchungen durch Dünnschliffe gemacht und durch kathodischen Korosionsschutz kann die Lebenszeit von metallhaltigen Leitungen verlängert werden. An einer überzeugenden langfristigen Lösung arbeiten wir aber noch. Mit der Hightech-Initiative wollen wir internationale Forscher und Entwickler mit den großen nationalen Playern zusammenbringen. Wir benötigen eine Technologie-Initiative, um mit den vorhandenen und weiter entwickelten Methoden z. B. zerstörungsfrei eine Zustandsbewertung unserer Netzinfrastruktur zu bekommen. Damit erreichen wir auch eine Erhöhung der Effizienz im Bereich der Instand- und Erneuerungsstrategien.


Das heißt, es gibt noch viel Entwicklungsbedarf, um die Herausforderungen zu meistern?
Die Wasserwirtschaft braucht noch eine lange Phase der Innovation, um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Dazu müssen aber auch die Ressourcen da sein. Technisches Innovationsmanagement und Forschung und Entwicklung werden in den Unternehmen immer mehr an  Bedeutung zunehmen.

"Wir als Wasserwirtschaft haben noch sehr viel Entwicklungsbedarf. Wir benötigen zukunftsfähige Technologie und eine Digitalisierungsoffensive."

Tauschen Sie sich auch mit anderen Branchen aus?
Der Austausch mit anderen Branchen ist auf jeden Fall notwendig. Schauen wir z. B. auf die Erdöl- und Gasbranche, die auch verschiedene Methoden für den Erhalt der leitungsgebundenen Infrastruktur einsetzt. Was können wir davon übernehmen und was müssen wir für unsere wasserwirtschaftlichen Anforderungen gezielt weiterentwickeln? Welche Daten sind für eine Zustandsbewertung relevant? Was kann man aus optischen Verfahren ableiten und wie können die betrieblichen – Stichwort laufender Betrieb – und trinkwasserhygienischen Anforderungen erfüllt werden? Die Kosten für die unterschiedlichen Verfahren zur Zustandsbewertung in der Ölwirtschaft z. B. betragen für großdimensionierte Leitungssysteme bis zu 200 Euro pro Meter. Im Wasserbereich hingegen wollen wir einen Preis unter 10 Euro pro Meter erreichen, um einen flächenhaften Einsatz zu gewährleisten. Wenn wir unsere Systeme nun für die nächsten 100 Jahre bauen, stellt sich natürlich auch die Frage, wie die Infrastruktur zukunftsfähig aufgebaut werden muss, damit z. B. auch autonome „in pipe“-System eingesetzt werden können. Daran sieht man sehr schnell, dass wir als Wasserwirtschaft noch sehr viel Entwicklungsbedarf haben. Wir benötigen zukunftsfähige Technologie und eine Digitalisierungsoffensive für die Wasserwirtschaft.


Sie haben vorhin schon das Thema „Insourcing“ als eine Option angesprochen. Bauen Sie Kompetenzen selbst auf oder greifen Sie auf externe Dienstleister zurück?
Inwieweit wir die Kompetenzen anteilig aufbauen werden, bewerten wir aktuell. Der Markt weist speziell im Bereich der Tief- und Rohrbauleistungen, aber auch im Bereich der ingenieurtechnischen Dienstleistungen in Niedersachsen sowie in vielen Teilen von Deutschland nicht genügend Kapazitäten auf, um die Bedarfe im Infrastrukturbereich zu bedienen. Aktuell reagiert die Branche unterschiedlich. Einige Unternehmen bauen wieder eigene Rohrbau- und Tiefbaukapazitäten auf, um die Zukunftsinvestitionen auch umsetzen zu können. Wichtig ist auch die zyklische Heterogenität im Assetbestand, denn wer langfristig die Eigenauslastung durch eigene Ressourcen abdecken kann, wird diesen Lösungsansatz wählen. Wir als ein  Fernwasserversorgungsunternehmen haben netztechnisch eine homogene Assetstruktur und deshalb suchen wir diesbezüglich nach einem Lösungsansatz mit der Tiefbau- und Rohrbauindustrie und in Kooperation mit anderen Infrastrukturunternehmen.


Wie vereinbaren Sie Ihre Personalstrategie mit dem nötigen Investitionsmanagement?
Für den Bereich der ingenieurtechnischen Leistungen werden wir unsere Ressourcen an unser zukünftiges Investitionsvolumen anpassen müssen. Dazu arbeiten wir intensiv auf Basis der mittel- und langfristigen Personalstrategie. Wichtig wäre es, wenn wir uns in der Branche zusammenschließen und gezielt Ressourcenentwicklung und -management betreiben. Wir sollten uns nicht gegenseitig die Mitarbeiter abwerben, sondern schauen, dass wir als attraktive Arbeitgeber unseren Mitarbeitern für die verschiedenen Entwicklungs-und Lebensphasen Perspektiven in Unternehmensverbünden bieten können. Wenn jemand von den Harzwasserwerken nach Hamburg wechseln möchte, da seine Frau dort ein attraktives Stellenangebot erhalten hat, ist es vom Kompetenzprofil vorteilhaft, wenn wir unkompliziert den Wechsel zu Wasserversorgungsunternehmen in der Region Hamburg anbieten können. So könnten wir einen Ressourcenausgleich und auch einen Kompetenzaustausch erreichen.


Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Innovationsmanagement?
Sehr wichtig. Innnovation braucht ein kompetentes Management und bündelt Ressourcen im eigenen Unternehmen. Wir haben als Harzwasserwerke die Erfahrung gemacht, dass wir die effizientesten Ergebnisse erzielen, wenn wir die Kompetenz unserer Mitarbeiter mit der von anderen Wasserversorgern, Forschungseinrichtungen und Dienstleistern kombinieren.


Wie sieht so eine „Kombination“ aus?
Die Harzwasserwerke beteiligen sich z. B. zusammen mit HAMBURG WASSER an dem europa- und weltweiten Innovationsscouting von isle utilities. Durch das globale Technologie-
Scouting und auch den Austausch mit anderen europäischen Wasserversorgungsunternehmen finden wir neue Innovationen zur Optimierung unserer Leistungsfähigkeit und Effizienz. Wir bündeln aber auch die Ressourcen von verschiedenen Unternehmen, um damit unsere Aufgaben zielgerichtet und kostengünstig zu erfüllen. Spannend ist die Frage, wieviel Prozent des Umsatzes Wasserversorgungsunternehmen in Forschung und Entwicklung und in das Innovationsmanagement investieren sollten. Ich glaube, auch da müssen wir umdenken.


Empfehlen sich hier unterschiedliche Vorgehensweisen bei großen und kleinen Wasserversorgern?
Sicherlich trifft der Innovations- und Handlungsbedarf alle Unternehmen unabhängig von ihrer Größe, weil alle vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Aber in der Praxis hat sich gezeigt, dass ab einem Leitungsquerschnitt von größer als DN 300 andere Anforderungen gelten. Denn dann handelt es sich meist um Hauptleitungen, die nicht redundant sind. Im DVGW diskutieren wir zurzeit, wie wir für die unterschiedlichen Größen und Anforderungen Lösungen finden können. Früher war es eine Auszeichnung, technisch am weitesten zu sein in der Branche. Heute arbeiten wir eng und transparent an gemeinsamen Lösungen. Es ist einfach effizienter, den Innovationsprozess gemeinsam zu gestalten. Das ist meiner Meinung nach der Weg in die Zukunft. Der DVGW muss und wird hier seine Bemühungen noch ausbauen und als Plattform für seine Mitglieder fungieren. 


Für Infrastrukturmaßnahmen braucht es immer auch gesellschaftliche Akzeptanz. Gibt es Ansätze, wie die Bürgerinnen und Bürger an Maßnahmen an der Wasserinfrastruktur beteiligt werden können?
Bürgerbeteiligung ist wichtig, gleichzeitig muss sie aber auch so gestaltet sein, dass sich infrastrukturkritische Projekte nicht unnötig verzögern. Gerade bei einer direkten Mitbestimmung und Bürgerbeteiligung, wie sie im Rahmen der Trinkwassernovellierung auf EU-Ebene angedacht war, kann eine solche Verzögerung aber nicht ausgeschlossen werden. Meine Vision ist es, dass sich z. B. die Pensionsfonds der Länder an den Infrastrukturprojekten beteiligen oder es Bürgeranleihen ähnlich wie Industrieanleihen gibt.

"Der Fachkräftemangel lähmt schon heute im Vorfeld von Projekten die gesamten Planungen und verzögert wichtige Vorhaben."

Für die zukünftig nötigen Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen der Wasserversorgungsinfrastrukturen wird entsprechend gut ausgebildetes Fachpersonal benötigt. Die Branche steht zukünftig ohnehin vor einem Nachwuchs- und Fachkräfteproblem. Könnte der Fachkräftmangel eine Hürde darstellen?
Er tut es bereits jetzt. Der Fachkräftemangel lähmt schon heute im Vorfeld von Projekten die gesamten Planungen und verzögert wichtige Vorhaben. Das wird sich in Zukunft noch  verschärfen, denn wir stehen als Wasserwirtschaft in Konkurrenz zu tariflich nicht gebundenen Branchen. Wir können zwar punkten, weil wir uns für Nachhaltigkeit und Daseinsvorsorge einsetzen. Aber mittelfristig stellt sich die Frage, ob wir vermehrt qualifizierte Ressourcen aus dem Ausland für uns begeistern müssen oder wie wir es schaffen, wechselwillige Mitarbeiter aus anderen Branchen für uns zu gewinnen. Das Engagement im Ausbildungsbereich und der Hochschulförderung ist kein Hobby mehr, sondern Pflicht und Selbstverständlichkeit.


Was sind Ihre konkreten nächsten Schritte?
Ich sehe die Wasserwirtschaft aktuell als eine Branche kurz vor einer Zeitenwende. Viele althergebrachte Grundsätze müssen neu bewertet und ausgerichtet werden. Verändern wir im Rahmen der Neuausrichtung unserer Infrastruktur das Verhältnis zwischen zentraler und dezentraler Infrastruktur? Wie wirken sich Veränderungen in anderen Märkten, wie z. B. dem Energiemarkt, auf die Wasserwirtschaft aus? Was könnte eine disruptive und uns damit wesentlich verändernde Rahmenbedingung sein? Die Kultur unserer Branche wird sich verändern und verändern müssen. Die Digitalisierung wird diesen Prozess nur noch befeuern. Der wichtigste Schritt für uns als Unternehmen ist es, möglichst weit in Szenarien zu denken, Transparenz zu schaffen und dann den richtigen Zeitpunkt für die relevanten Zukunftsentscheidungen zu treffen, für unsere Kunden, Gesellschafter und das Land Niedersachsen. Wir müssen als Branche enger zusammenrücken, aktiv an unserer Zukunft arbeiten und Öffentlichkeit für unsere Herausforderungen schaffen. Ein einfaches „Weiter so“ kann es nicht geben.


Herr Dr. Donner, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch!