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Ocean Clean Up – Großaktion gegen Plastikmüll in den Meeren

The Ocean Cleanup

1.200 nautische Meilen westlich der kalifornischen Bucht wurde das weltweit erste System zur Bekämpfung des maritimen Plastikmülls im großen pazifischen Plastikmüllfeld platziert. „Rückgrat“ der 600 Meter langen Anlage bildet das AGRU-Großrohrsystem, das als Schwimmkörper wie eine künstliche Bucht im Meer agiert, an der sich Plastikmüll anhäufen soll.

Das Plastikproblem in den Meeren ist riesig und wächst täglich weiter: Jährlich landen 8 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen, Tendenz steigend. Dort, wo unterschiedliche Meeresströmungen zu enormen Strömungswirbeln zusammenlaufen, sammelt sich der Plastikmüll und bildet riesige Plastikmüllfelder. Insgesamt fünf solcher Wasserwirbel gibt es in den Weltmeeren, der größte befindet sich im Nordpazifik, etwa in der Mitte zwischen Hawaii und Kalifornien.

Jetzt hat sich ein holländisches Startup an die Umsetzung einer genialen Idee gemacht. The Ocean Cleanup, gegründet von Bojan Slat, möchte mit einer ausgeklügelten Lösung 90 Prozent des Plastiks bis 2040 aus dem großen pazifischen Plastikmüllfeld holen und wiederverwerten – mit Hilfe der Meereskräfte. Eine ganze Flotte von riesigen, schwimmenden Barrieren soll das Plastik vor sich herschieben und konzentrieren. Aufgrund der U-Form der Barrieren wird sich der Plastikmüll wie am Strand einer Bucht anhäufen und alle sechs bis acht Wochen von Spezialschiffen geborgen und zum Recycling an Land gebracht werden.

Konstruktion des Großrohrsystems bei AGRU Kunststofftechnik1/9

Die Produktion des Schwimmkörpers erfolgte bei AGRU Kunststofftechnik unter strengen Qualitätskontrollen und mit Rohmaterial höchster Güte. Foto: AGRU

Der Dove Tail ist ein Schienensystem, um die unter Wasser abgehängte Schürze an den Schwimmkörper anzuschließen. Mit höchster Präzision konnte die Schwalbenschwanzverbindung auf den Schwimmkörper geschweißt werden. Foto: AGRU

Die Schürze verhindert, dass tiefer schwebende Plastikteile unter dem Schwimmkörper hindurch treiben. Zur sicheren Befestigung designte The Ocean Cleanup ein spezielles Schienensystem, das AGRU Kunststofftechnik mit höchster Präzision realisierte. Foto: The Ocean Cleanup

Die Schwalbenschwanzkonstruktion wurde während des Transports vor Beschädigungen mit einer speziellen Holzkonstruktion geschützt. Foto: AGRU

Das Rückgrat der Anlage ist ein von der Firma AGRU Kunststofftechnik gemeinsam mit The Ocean Cleanup entwickelter und maßgefertigter, 600 Meter langer Schwimmkörper aus voll druckbeständigen PE-100-RC-Rohren. Damit das System auch Stürmen und dem aggressiven Salzwasser standhält, musste es besonders flexibel konstruiert werden. Und Polyethylen verfügt über enorme Flexibilität. Das verarbeitete RC-Material gewährleistet aufgrund seiner speziellen Eigenschaften zusätzlich langfristigen Schutz gegen langsames Risswachstum. Um den maximalen Auftrieb auch bei Beschädigungen zu gewährleisten, muss der Schwimmkörper wie ein Schiff in zahlreiche Hohlkammern, sogenannte Schotten, unterteilt werden. AGRU Kunststofftechnik fertigte dafür exakt passende Trennwände und kümmerte sich um deren Verschweißung in den Rohren.

Ein weiteres wesentliches Merkmal des Systems ist eine bis in drei Meter Tiefe reichende Schürze, die vom Schwimmkörper abgehängt ist. Zusammen mit dem Schwimmkörper entsteht so eine Barriere über und unter Wasser, sozusagen eine künstliche Bucht im Ozean. Der Schwimmkörper gibt dem kompletten System den notwendigen Auftrieb und fängt den an der Oberfläche treibenden Plastikmüll ein. Die Schürze verhindert, dass tiefer im Wasser schwebende Plastikteile unter dem Schwimmkörper hindurch treiben.

Damit das Plastik von der schwimmenden, U-förmigen Bucht wie Erde in einer gigantischen Schaufel angehäuft werden kann, bewegt sich das Ocean-Cleanup-System etwas schneller als das Plastik. Dazu nutzt das System die natürlichen Meereskräfte Wind, Wellen und Strömung. Während die Strömung des Wasserwirbels sowohl das Plastik als auch die Barriere mit der gleichen Geschwindigkeit bewegt, bietet der Schwimmkörper genug Angriffsfläche für Wind und Wellen. Das System wird also durch Wind und Wellen angetrieben und bewegt sich im Meer schneller fort, als das knapp unter der Wasseroberfläche treibende Plastik.
 


Wenn das erste Ocean-Cleanup-System Erfolg hat, soll Stück für Stück eine komplette Flotte von bis zu 60 Systemen im großen pazifischen Plastikmüllfeld installiert werden. Alle fünf Jahre wird sich dann der auf der Wasseroberfläche treibende Plastikmüll halbieren. Bis 2040 sollen so 90 Prozent des Plastikmülls aus dem großen pazifischen Müllstrudel entfernt sein.