Politik

EU mahnt Deutschland wegen Nichteinhaltung der Nitratrichtlinie

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Die intensive Landwirtschaft belastet die Trinkwasserressourcen mit Nitrat. Auch mit der novellierten Düngeverordnung von 2017 verfehlt Deutschland die Ziele der EU-Nitratrichtlinie.

Die EU-Kommission hat gegenüber Deutschland das Zweitverfahren wegen Verstößen gegen die Nitratrichtlinie eröffnet. Die Düngeverordnung von 2017 reicht nach ihrer Auffassung nicht aus, um das EuGH-Urteil umzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Ausbringung von Düngemitteln begrenzt und Maßnahmen für verseuchte Gebiete, wie z. B. Sperrzeiten, getroffen werden. Auch ein von Bundesumweltministerium und Bundeslandwirtschaftsministerium im Juni 2019 vorgelegtes Anpassungspaket der geltenden Düngeregelung macht die Sache aus Sicht der Europäischen Kommission nicht besser.

Dass dringender Handlungsbedarf für eine gewässerverträgliche Landwirtschaft herrscht, belegen auch Auswertungen der Grundwasser-Datenbank Nitrat von DVGW, VKU und BDEW. In der Datenbank wird bundesweit die Belastung des Grundwassers mit Nitrat in den Einzugsgebieten der Trinkwassergewinnungsanlagen erfasst. Demnach wird der Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter an rund 22 % der Vorfeldmessstellen überschritten. An rund 28 % der Vorfeldmessstellen liegen die Nitratkonzentrationen im Grundwasser über 37,5 mg/l. In der Spitze wurden im Jahr 2016 sogar Werte bis 357 mg Nitrat pro Liter erreicht. Ein weiteres Problem Das in Böden vorhandene natürliche Abbauvermögen für Nitrat ist in einigen Regionen gar nicht (mehr) vorhanden oder bereits deutlich aufgebraucht. Dies führt zu einem weiteren deutlichen Anstieg des Nitratgehalts im Grundwasser mit der Folge, dass die Trinkwassergewinnungsanlagen unmittelbar betroffen sein können. Das Umweltbundesamt hatte bereits 2017 davor gewarnt, dass Trinkwasser um bis zu 45 % teurer werden könnte, wenn der Aufwand für die Trinkwasseraufbereitung durch die hohen Nitratbelastungen immer größer und teurer wird.

Die beiden Bundesministerien haben angekündigt, das Mahnschreiben der EU-Kommission nun zu prüfen und eine mit den Ländern abgestimmte Antwort zu erarbeiten. Die Frist dafür beträgt acht Wochen. Klares Ziel sei es, das Urteil vom 21. Juni 2018 so schnell wie möglich und vollständig umzusetzen und Strafzahlungen abzuwenden, heißt es in der Pressemitteilung.

Mehr über das Thema Nitrat im Grundwasser erfahren Sie in unserer Sonderausgabe ewp-kompakt „Nitrat“ und auf den entsprechenden Themenseiten des DVGW.