Politik

Europäische Wasserstoffstrategie veröffentlicht

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Gebäude der EU-Kommission in Brüssel: Der Energieträger Wasserstoff hat nach Meinung der Kommission ein großes Potenzial, um die Dekarbonisierung bis 2050 zu unterstützen.

Die EU-Kommission hat am heutigen 8. Juli die Europäische Wasserstoffstrategie (European Hydrogen Strategy) vorgestellt. Mit der Strategie betont die Kommission das große Potenzial, das der Energieträger Wasserstoff hinsichtlich der Dekarbonisierung der Sektoren Industrie, Mobilität, Energie und Wärme hat und thematisiert gleichzeitig, mit welchen Methoden und Instrumenten dieses Potenzial in die Realität umgesetzt werden kann. Neben dem Einsatz von grünem Wasserstoff, der komplett aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, seien der Strategie zufolge kurz- bis mittelfristig auch andere Erzeugungsformen erforderlich, um europaweit einen Markt für den Energieträger zu etablieren.

Konkret möchte die EU-Kommission mit ihrer Strategie kurzfristig dazu beitragen, dass bis zum Jahr 2024 eine Elektrolyseurleistung von mindestens 6 Gigawatt (GW) installiert und im gleichen Zeitraum eine Million Tonnen grüner Wasserstoff erzeugt wird. Mittelfristig sollen diese Werte bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf 40 GW Erzeugungsleistung bzw. 10 Mio. t erneuerbaren Wasserstoff ansteigen. Mit Blick auf die angestrebte Klimaneutralität der EU bis zum Jahr 2050 soll Wasserstoff nach dem Willen der Kommission bis zu diesem Zeitpunkt im großen Stil in all denjenigen Sektoren etabliert werden, die bislang nur schwer zu dekarbonisieren sind. Die dabei entstehende Wasserstoffwirtschaft bezeichnete Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans anlässlich der Vorstellung der Strategie als Wachstumsmotor, der zur wirtschaftlichen Bewältigung der Covid-19-Krise beitragen und Europa zum weltweiten Technologieführer in diesem Bereich machen könne.

Der DVGW-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Gerald Linke bezeichnete die europäische Wasserstoffstrategie in einer ersten Stellungnahme als wichtigen Schritt in Richtung der angestrebten Klimaneutralität: „Das ambitionierte Ziel der Europäischen Kommission, bis zum Jahr 2030 erneuerbaren Wasserstoff im Umfang von 40 GW Elektrolyseleistung zu produzieren, ist ein starkes Signal. Es markiert gleichzeitig einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zu einem integrierten europäischen Energiesystem, in dem Wasserstoff eine tragende Säule sein wird.“ Gleichzeitig betonte Prof Linke, dass die Beimischung von Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz unerlässlich sei, um die erzeugten Wasserstoffmengen auch transportieren zu können. Der DVGW hat in diesem Zusammenhang schon vor geraumer Zeit damit begonnen, das entsprechende deutsche Regelwerk für eine Einspeisung von bis zu 20 Volumenprozent Wasserstoff zu überarbeiten. „Durch unsere Beteiligung an europäischen Normungsgremien bringen wir unsere technisch-wissenschaftliche Kompetenz in den Prozess mit ein“, so Prof. Linke weiter.