Politik

Norddeutschland soll Vorreiter der Wasserstoff-Technologien werden

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Die Einsatzmöglichkeiten von regenerativ gewonnenem Wasserstoff sind vielfältig und erstrecken sich u. a. auf die Industrie, die Mobilität, die Energieversorgung und den Wärmemarkt.

„Deutschland soll die Nummer 1 bei Wasserstofftechnologien werden“, das sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier anlässlich der Bekanntgabe der Gewinner des Ideenwettbewerbs „Reallabore der Energiewende“. Norddeutschland könnte dabei eine herausragende Rolle spielen, das jedenfalls fordert die IHK Nord in einem gerade vorgelegten Positionspapier. Darin fordert sie die norddeutschen Bundesländer dazu auf, sich als Vorreiter der Wasserstoff-Technologien zu positionieren und den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben.

Der politische Willen dazu ist bereits zu erkennen: Im Mai dieses Jahres haben die norddeutschen Bundesländer erste Eckpunkte für eine norddeutsche Wasserstoffwirtschaft veröffentlicht, bis November soll die „Norddeutsche Wasserstoffstrategie“ stehen. Ein wichtiges Ziel dabei: die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Power-to-Gas-Technologie, welche der Grundpfeiler für eine Wasserstoffwirtschaft ist.

Ein Punkt, den auch die IHK Nord in ihrem Forderungskatalog aufgreift. Konkret heißt es dort, dass die Anlagen zur Wasserstofferzeugung von der EEG-Umlage ausgenommen werden müssen und dass der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Bau von Elektrolyseuren und Energiespeichern verbunden werden sollte.

Die IHK Nord sieht Wasserstoff außerdem als wichtigen Baustein eines emissionsfreien Verkehrssektors und fordert, die für Elektro-, CNG- und LNG-Lkw eingeführte Mautbefreiung explizit auf Brennstoffzellen-Lkw auszuweiten. Auch sollte die Brennstoffzellenmobilität mit der batterieelektrischen Mobilität in Bezug auf die Anrechnung auf die THG-Minderungsziele und Flottenemissionsziele gleichgestellt werden. Bund, Länder, Städte, Kommunen und Landkreise sollten darüber hinaus neben der batterieelektrischen E-Mobilität auch die Brennstoffzellentechnologie für ihre Fuhrparks berücksichtigen und den Wasserstoff-Tankstellenausbau fördern.

Mit den hier vorhandenen Kavernenspeichern böte Norddeutschland außerdem große Potenziale, um Wasserstoff in großen Mengen zu speichern. Um die Speicher und das Gasnetz für die Einspeisung von Wasserstoff technisch vorzubereiten, sollen nach dem Willen der IHK die Betreiber entsprechend unterstützt werden.

„Norddeutschland sollte seine großartigen Chancen ergreifen und die Wasserstoffwirtschaft nutzen, um das bestehende Süd-Nord-Gefälle abzubauen“, so Friederike C. Kühn, Vorsitzende der IHK Nord. „Wir haben hier im Norden herausragende Möglichkeiten, grünen Wasserstoff aus Windstrom zu produzieren und so die norddeutsche Wirtschaft nachhaltig voranzubringen. Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich unzweifelhaft in Norddeutschland und wird ohne Wasserstoff nicht möglich sein.“

Einen weiteren wichtigen Baustein auf dem Weg zur Wasserstofffregion sieht die IHK in Forschung & Entwicklung. Sie schlägt deshalb nicht nur den Aufbau eines norddeutschen Clusters im Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie vor, sondern auch eine stärkere Förderung der an norddeutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen betriebenen Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet des Wasserstoffs. Der erste Schritt ist schon getan: „6 von 20 Reallaboren des Bundeswirtschaftsministeriums zur Erprobung zukunftsfähiger Energietechnologien finden sich in Norddeutschland. Gemeinsam arbeiten wir daran, Norddeutschland als Top-Wasserstoffstandort zu präsentieren.“ so Kühn.