Politik

World Energy Outlook: Die Welt der Energie ist im Wandel – aber noch nicht genug

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Der World Energy Outlook 2018 zeigt auf, dass die Welt an einem neuen Energie-System arbeitet. Die herausgebende Internationale Energieagentur IEA mahnt aber auch die Politik, dass das energiepolitische Dreieck aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicheheit und Nachhaltigkeit nicht gefährdet werden darf.

Die Energiesysteme sind weltweit im Umbruch, die erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch und dennoch sind die energiebedingten CO2-Emissionen im Jahr 2017 um 1,6 Prozent gestiegen und werden weiter steigen. Das geht aus dem gestern von der Internationalen Energieagentur (IEA) veröffentlichten World Energy Outlook 2018 hervor. Ursache für die weiteren Emissionssteigerungen ist demnach ein zu erwartender Bevölkerungszuwachs und eine daraus resultierende wachsende Energienachfrage: Bis 2040 wird diese um mindestens ein Viertel höher liegen als heute. Vor allem in Indien und China ist der Hunger nach Energie gewaltig und verursacht in den kommenden zwei Jahrzehnten eine fundamentale Verlagerung des Energieverbrauchs von Nordamerika und Europa nach Asien. Doch laut IEA ist der Emissionstrend vor allem ein Zeichen für „ein eklatantes Versagen der internationalen Gemeinschaft“. Zwar seien die Länder auf einem guten Weg, ihre im Rahmen des Pariser Klimaabkommens gemachten nationalen Zusagen zu erreichen, doch reichten diese nicht aus, um den Klimawandel zu stoppen.

Ein immer größerer Anteil des weltweiten Energieverbrauchs, so die IEA, werde weltweit durch Strom gedeckt. Sollte die „All-Electric-World“ vorangetrieben werden, könnte die Stromnachfrage bis 2040 sogar um bis zu 90 Prozent steigen. Deshalb sei es umso wichtiger, dass sauberer und erschwinglicher Strom zur Verfügung steht. Dabei werden der Solarenenergie die besten Wettbewerbschancen zugesprochen: Die IEA rechnet damit, dass die installierte Leistung von Solarenergie die der Windenergie bis 2025, die von Wasserkraftwerken bis 2030 und die von Kohlekraftwerken bis 2040 übersteigen wird.

Mit zunehmendem Anteil der erneuerbaren Energien werden Flexibilitätsoptionen immer wichtiger, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch wenn die Preise für Batteriespeicher weiter sinken, rechnet die IEA damit, dass konventionelle Kraftwerke in diesem Zusammenhang weiter eine wesentliche Rolle spielen werden. So würden die erneuerbaren Energien zwar die Auslastung von Gaskraftwerken in Europa reduzieren und Energieeffizienzmaßnahmen auch den Gasverbrauch für Heizzwecke senken, doch bleibe die Gasinfrastruktur ein wichtiger Baustein für die Wärmeerzeugung und zur Sicherung einer stabilen Stromversorgung. Dem World Energy Outlook zufolge wird Erdgas um 2030 die Kohle als zweitwichtigsten Energieträger im globalen Energiemix ablösen. Allerdings werde Gas bis 2040 bis zu 60 Prozent in Form von LNG und nicht mehr wie bisher meist üblich via Pipelines transportiert werden. Der zunehmende Handel mit LNG werden außerdem für mehr Wettbewerb und eine engere Verflechtung des globalen Gasmarktes sorgen.

Insgesamt beleuchtet der diesjährige World Energy Outlook vier Szenarien, die unterschiedliche Zukunftsperspektiven mit mehr oder weniger stark steigenden CO2-Emissionen implizieren. Keines der vier Szenarien, so die IEA, sei vorbestimmt, alle seien möglich. Wie genau die Prognosen der IEA sind und welches Szenario am Ende eintritt, darüber diskutieren Experten. Das US-amerikanische Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) z. B. hält das „Sustainable Development Szenario“, in dem die Kohle bis 2040 deutlich an Bedeutung verliert, für am wahrscheinlichsten. Auch andere Energieexperten, wie z. B. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), halten die Prognosen der IEA für zu konservativ und die Entwicklung der Solarenergie für unterschätzt.

Am Ende, so die IEA, liegt es in der Hand der Politik, die richtigen Voraussetzungen für die weltweite Energiewende zu schaffen und die Stabilität des energiepolitischen Dreiecks aus Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit auch in einem veränderten Energiesystem zu gewährleisten.

Der jährlich vorgelegte World Energy Outlook der IEA gilt als wichtigste Publikation zur zukünftigen Entwicklung der globalen Energieversorgung. Die im World Energy Outlook entwickelten Szenarien werden weltweit als Standard für Energieprognosen verwendet.