Praxis

Projekt „20 Prozent Wasserstoff im Gasnetz“ geht in aktive Phase

Avavon/Andre Walther

Auf Knopfdruck beginnt die Wasserstoff-Einspeisung ins Avacon-Netz in Schopsdorf (Dr. Stephan Tenge, Sven Schulze, Angela Brandes, Prof. Dr. Gerald Linke (v.l.n.r.)

Am 19.12.2021 nahmen Avacon-Technikvorstand Dr. Stephan Tenge und der DVGW-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Gerald Linke gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze die Wasserstoff-Beimischanlage in Schopsdorf offiziell in Betrieb. In einem Teilnetz im Raum Fläming werden dem Erdgas in der kommenden Heizperiode stufenweise bis zu 20 Prozent Wasserstoff zugefügt. Das Gemeinschaftsprojekt von Avacon und DVGW soll zeigen, dass es technisch möglich ist, Wasserstoff zu einem deutlich höheren Prozentsatz als bislang in den Technischen Regeln des DVGW vorgesehen in ein existierendes Gasnetz einzuspeisen. Die Ergebnisse des Projektes dienen als Vorbild für den zukünftigen Einsatz von Wasserstoff in Gasverteilnetzen. 

Für das Projekt wurde ein Netzabschnitt im Gasverteilnetz von Avacon im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt ausgewählt. Dieser eignet sich vor allem deshalb, weil die dort verbaute Netzinfrastruktur repräsentativ für das gesamte Avacon-Gasverteilnetz ist und die Ergebnisse somit übertragbar sind. Bei dem Netzabschnitt handelt es sich um ein Mitteldruck-Verteilnetz mit rund 35 Kilometern Leitungslänge, von dem etwa 350 Netzkunden mit Erdgas versorgt werden. Mit der entsprechenden Menge an Gasgeräten, die vor allem zur Wärmeversorgung dienen, deckt das ausgewählte Netzgebiet eine breite Gerätetechnik ab.

Im ersten Projektabschnitt wurde unter Koordination der DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des KIT, Karlsruhe, der Bestand von Gasinstallationen mit Gasgeräten auf Basis eines abgestimmten Sicherheitskonzeptes erfasst, analysiert und bezüglich der Wasserstoffbeimischung zusammen mit den Gasgeräteherstellern bewertet. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Gas- und Wärme-Institut Essen (GWI), das alle bei den Kunden verbauten Gasgeräte und Gasinstallationen erfasst hatte, und dem Netzbetreiber Avacon Netz GmbH hinsichtlich der Kundenkommunikation. Insgesamt wurden die bislang erhobenen Gasinstallationen mit den Gasgeräten fast zu 100 Prozent positiv bewertet. Vier Altgeräte wurden für weitergehende Laboruntersuchungen ausgebaut, um deren Funktion bei Wasserstoffbeimischungen zu ermitteln. 

Mit der Inbetriebnahme der Beimischanlage beginnt nun im nächsten Projektabschnitt die tatsächliche Beimischphase. Die Einspeisung von Wasserstoff ist über die zwei Heizperioden 2021/22 und 2022/23 in Stufen von 10, 15 und 20 Prozent Wasserstoffbeimischung geplant. Mit der Inbetriebnahme werden in der ersten Stufe zehn Prozent Wasserstoff über etwa vier Wochen dem Erdgas beigemischt. Damit bewegt sich der Anteil noch in der durch das DVGW-Regelwerk gedeckten Beimischungshöhe. Bei rund einem Drittel der Gasgeräte werden Stichprobenmessungen bezüglich der Verbrennungsgüte mit Messungen des tatsächlichen Wasserstoffgehalts vor Ort durchgeführt, um die Einspeisung wissenschaftlich bei allen Einspeisestufen zu begleiten.

In Steigerungsstufen von fünf Prozent solls schrittweise die maximale Wasserstoffbeimischung bis 20 Prozent erreicht werden.  Die 15-Prozent-Beimischphase ist für das erste Quartal 2022 geplant. Nach einer Auswertung soll die Zielkonzentration von 20 Prozent Wasserstoff zum Abschluss der Heizperiode erreicht werden. Eine weitere 20-Prozent-Einspeisephase folgt in der Heizperiode 2022/23 über mehrere Wochen. Neben einer möglichst gleichförmigen Beimischung sind auch volatile Einspeisungen vorgesehen, um die volatilen Erneuerbaren Energien als Wasserstoffquellen nachzubilden und die Effekte von schwankenden Wasserstoff-Gehalten im Bestand zu untersuchen.


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