Sektorenkopplung

Die Marktsituation für Erdgasspeicher in Deutschland

Uniper Energy Storage GmbH

Uniper-Mitarbeiter im Erdgasspeicher Etzel

Erdgasspeicher übernehmen wichtige Systemfunktionen zum Erhalt der Versorgungssicherheit. Mit dem zunehmenden Ausbau der erneuerbaren Energien werden diese Aufgaben immer wichtiger.

Damit die Gasspeicher ihre Funktion auch weiterhin und vor allem wirtschaftlich ausführen können, sollte die Bundesregierung jedoch für geeignete Wettbewerbs- und Rahmenbedingungen sorgen.

von: Dr. Axel Wietfeld & Mag. Michael Schmöltzer, Uniper Energy Storage GmbH

Wesentliche Säule der Erdgasinfrastruktur in Deutschland stellen neben den Fernleitungs- und Verteilnetzen die Erdgasspeicher dar. Deutschland ist in Europa Nummer 1 bei Erdgasspeichervolumina und verfügt nach den USA, Russland und der Ukraine weltweit über die viertgrößten Untertagespeicherkapazitäten. Da Deutschland den größten Teil des verbrauchten Erdgases importieren muss, nehmen Erdgasspeicher eine wichtige Rolle für Versorgungssicherheit und Preisstabilität auf den Großhandelsmärkten ein. In unterirdischen Speicheranlagen werden saisonale Schwankungen und Spitzenlasten im Gasbedarf zeitnah ausgeglichen und entlasten die Gasnetze in Zeiten des höchsten Gasverbrauchs in den Wintermonaten.

 

Veränderungen der Marktsituation für Erdgasspeicher

Die Markt- und Preisentwicklung für Speicherdienstleistungen in Deutschland hat sich durch die zunehmenden Vermarktungsmöglichkeiten am Termin- und Spotmarkt dramatisch verändert. Speicher werden überwiegend marktorientiert eingesetzt. Das führt dazu, dass allein die Preisinformationen der Handelsmärkte die Einsatzweise des Speichers beeinflussen; der Speicherkunde erwirtschaftet somit einen Erlös aus der saisonalen Preisdifferenz zwischen Sommer- und Winterhalbjahr (SW-Spreads) sowie aus der Preisvolatilität der verschiedenen Forwardkurven. Aus der Entwicklung der sogenannten SW-Spreads ist jedoch abzulesen, dass dieser Preisbildungsmechanismus zu einer Situation führte, wonach Speicherunternehmen gezwungen sind, ihre Speicherdienstleistungen unter Vollkosten zu vermarkten. Der Markt ist daher in eine Schieflage geraten, die zu Abschreibungen in Milliardenhöhe und Schließungen von Speicheranlagen führte.

Demgegenüber stehen die Anforderungen an die Speicherinfrastruktur in Zeiten des maximalen Gasverbrauchs, nämlich, die Spitzenleistung im Netz sowie ausreichende Ausspeicherleistung zur Vorsorge für Extremsituationen bereitzustellen. Während der europaweiten extremen Kältephase im Februar 2012 und im Januar 2017 wurden beispielsweise mehr als 50 Prozent des täglichen Spitzenbedarfs aus deutschen Speichern bereitgestellt und eine Gasknappheit in Deutschland und seinen Nachbarstaaten damit verhindert.

Nach wie vor besteht jedoch in Deutschland – im Unterschied zu den meisten Nachbarländern – keine eindeutige Zuordnung der Verantwortung für Versorgungssicherheit. § 16 EnWG regelt nur die Verantwortlichkeiten für Netzstabilität, nicht aber Versorgungssicherheit. Es existiert keine Sicherheit, dass die Speicher befüllt werden und bis zum Ende der Wintersaison ausreichend Ausspeicherleistung vorgehalten wird. Beispielsweise kann ab einem Speicherfüllstand von weniger als sieben Mrd. m³ (das sind rund 1/3 der maximal verfügbaren Speicherkapazität) der Leistungsbedarf in Deutschland nicht mehr voll abgedeckt werden.

 

 

Speicher garantieren verbrauchsnahe Flexibilität und optimieren die Netzauslastung

Allerdings werden Erdgasspeicher durch aktuelle Umlagen (Marktraumumstellungsumlage und Konvertierungsumlage) im Wettbewerb gegenüber anderen Flexibilitätsanbietern durch eine Doppelbezahlung benachteiligt. Darüber hinaus ergeben sich für Speicher Nachteile aus dem Transportregime:

  • Obwohl die Netze im Sommer gering ausgelastet sind, werden Einspeicherungen im europäischen Vergleich mit sehr hohen Netzentgelten belegt.
  • Im Winter, wenn die Spitzenleistung im Netz überwiegend aus Ausspeicherungen gedeckt wird, fallen erneut Transportkosten an.

Im Wettbewerb mit anderen Flexibilitätsquellen (z. B. Flexibilität aus Importverträgen), die nicht diesen Systembeitrag leisten können, werden Speicher somit im gegenwärtigen Regulierungsrahmen systematisch benachteiligt. Die vorhandene Speicherinfrastruktur rückzubauen, würde erhebliche Mehrkosten in den deutschen Gasnetznetzen verursachen und die Abhängigkeit von Gasimporten erhöhen.

"Speicher werden für die sichere Versorgung bei künftig reduzierter Erdgasproduktion in Kontinentaleuropa weiterhin einen wichtigen Beitrag leisten. Die neue Bundesregierung sollte jedoch dringend im Gasmarktmodell Anreize setzen, sodass die Speicherunternehmen ihren Beitrag zur sicheren Gasversorgung sowie zur Optimierung der Netzauslastung auch vergütet bekommen."

Dr. Axel Wietfeld, Geschäftsführer der Uniper Energy Storage GmbH

Energiespeicher als Wegbereiter der Sektorenkoppelung

Der Ausbau der fluktuierenden regenerativen Stromerzeugung aus Wind und Sonne sowie der veränderliche Verbrauch machen die Energiespeicherung in Zukunft unerlässlich. Energiespeichertechnologien werden künftig einen wachsenden Beitrag im Energiesystem leisten. Die Speicherleistung besteht insbesondere darin, Strom aus Wind- und Solarkraft in Form von Strom, Wärme oder Gas zu einem geeigneten Zeitpunkt bereitzustellen. Energiespeicher, insbesondere Power-to-Gas, tragen deshalb maßgeblich zu einer effizienteren Energienutzung in einem zunehmend dezentralen und branchenverbindenden System bei.

 

Über die Autoren

Dr. Axel Wietfeld ist Geschäftsführer der Uniper Energy Storage GmbH.

Michael Schmöltzer ist Fachabteilungsleiter Business Support und Büro Österreich bei der Uniper Energy Storage GmbH sowie Mitglied des Vorstandes der Initiative Erdgasspeicher e. V. (INES).