Technik

Biogaseinspeiseanlage in Bitterfeld-Wolfen startet Testbetrieb

WELTEC BIOPOWER

Im Zuge der Energiewende werden immer häufiger grüne Gase wie Biogas in die Gasnetze eingespeist (hier im Bild die Biogasanlage Könnern). Durch Einführung einer Brennwertbestimmung „SmartSim“ ist es der MITNETZ GAS möglich, auf den aufwendigen Prozess der Brennwertangleichung zu verzichten.

In Bitterfeld-Wolfen beginnt heute der Probebetrieb einer neuen Biogaseinspeiseanlage. Die Anlage der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Gas mbH (MITNETZ GAS) hat eine Einspeisekapazität von maximal 700 Normkubikmetern pro Stunde. Bezogen auf die Jahresarbeit entspricht diese Menge einem jährlichen Energieverbrauch von rund 5.000 Einfamilienhäusern. Ab September soll die Anlage dann regelmäßig in das Hochdruckgasnetz einspeisen.

Die Biogaseinspeiseanlage ist eine von insgesamt 13, die im Netzgebiet von MITNETZ GAS in der Region südliches Sachsen-Anhalt, West-Sachsen und Teilen von Thüringen angeschlossen sind. Damit trägt der Netzbetreiber zum sogenannten „Content Switch“ bei, d. h. der zunehmenden Erhöhung des Anteils erneuerbarer Gase im Gasnetz. Damit verbunden ist auch eine notwendige technische Anpassung der Gasnetze an die unterschiedlichen Gasqualitäten.

Mit der zunehmenden Einspeisung regenerativ gewonnener Gase wie Biogas kommt es zu Schwankungen des Brennwerts. Der Brennwert bezeichnet die Energiemenge, die bei der Verbrennung von Erdgas freigesetzt wird. Um einen einheitlichen Erdgasbrennwert zu erhalten, musste MITNETZ GAS in der Vergangenheit den zwischen 10,5 und 11,3 kWh/m³ schwankenden Brennwert des Biogases durch Beimischung von Flüssiggas ausgleichen. Das ist nicht mehr nötig, seitdem das Unternehmen auf das Verfahren „SmartSim“ setzt. Dabei wird der Brennwert des Gases für jedes Ortsnetz rechnerisch ermittelt und so der Einsatz einer Biogaskonditionierungsanlage zur Beimischung von Flüssiggas unnötig. Der Netzbetreiber spart dadurch insgesamt über zwei Millionen Euro pro Jahr ein, die den Netzkunden zugutekommen.

Auch die Einspeisung aus der neuen Biogaseinspeiseanlage in Bitterfeld-Wolfen wird über SmartSim kontrolliert und ausgewertet. Nach der Mengenmessung und Feststellung der chemischen Zusammensetzung wird dem Biogas noch der charakteristische stechende Geruch in Form eines Odormittels zudosiert. Verdichtet auf maximal 14 bar Netzbetriebsdruck ist das Bioerdgas nach einer letzten Kontrollmessung dann bereit für die Einspeisung.