Technik

Gas statt Kohle: Ein Heizkraftwerk steigt um

Vattenfall

Braunkohle - für die letzten 30 Jahre hauptsächlicher Brennstoff zur Strom- und Wärmegewinnung im Heizkraftwerk Klingenberg - wird jetzt durch umweltfreundlicheres Erdgas ersetzt.

Braunkohle setzt unter allen fossilen Brennstoffen das meiste CO2 frei. Klimatechnisch gehört sie damit zu den dicksten Brettern, die es auf dem Weg zur Klimaneutralität zu bohren gilt.

Im Vattenfall Heizkraftwerk Klingenberg im Berliner Bezirk Lichtenberg wurde am 24. Mai 2017 die letzte Schippe Braunkohle verfeuert. Dreißig Jahre lang sicherte dieser Brennstoff maßgeblich die Strom- und Wärmeversorgung der Menschen in Marzahn, Lichtenberg, Hellersdorf, Hohenschönhausen, Weißensee und Pankow. Im Mai war es damit vorbei.

Drei Jahre früher als geplant gelang der Ausstieg aus der Braunkohle – und zwar bei laufendem Betrieb.

von Harald Flügel, Vattenfall Wärme

Statt Braunkohle kommt im Heizkraftwerk Klingenberg seit Mai 2017 das umweltfreundlichere Erdgas zum Einsatz. In die Modernisierung der am Standort bereits vorhandenen Gas-KWK-Anlagen hat Vattenfall 100 Millionen Euro investiert. Im Zusammenspiel mit der im Bau befindlichen neuen Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) am Standort Marzahn wird das HKW Klingenberg auch weiterhin die verlässliche und umweltgerechte Wärmeversorgung von etwa 675.000 Haushalten im Berliner Osten gewährleisten. Das erspart Berlin pro Jahr rund 600.000 Tonnen CO2-Ausstoß. Oder anders gesagt: Auf jede Berlinerin und jeden Berliner kommt in der Pro-Kopf-Klimabilanz eine Einsparung, die dem CO2-Ausstoß eines konventionellen Autos auf 1.500 km Fahrstrecke entspricht.

So eine Umstellung hat Nebeneffekte: Am Standort Klingenberg werden Flächen frei, die künftig Raum für nachhaltige Projekte bieten. Direkt am Heizkraftwerk wird z. B. ein Gemeinschaftsgarten entstehen. Geplant ist zudem der Bau einer Aquaponik-Anlage, in der Fische und Pflanzen ein geschlossenes ökologisches System bilden. Hier werden Fischaufzucht und Gemüseanbau in einem urbanen Umfeld miteinander verknüpft. Als Unternehmen helfen wir damit der nachhaltigen lokalen Lebensmittelproduktion (Urban Farming).

Die Erreichung einer CO2-freien Energieproduktion erschöpft sich natürlich nicht mit dem Braunkohle-Ausstieg. 2020 wird die Vattenfall Wärme Berlin ihr 2009 in der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin gemachtes Versprechen einlösen: Der CO2-Ausstoß von Vattenfall in Berlin zur Erzeugung von Wärme und Strom wird sich dann gegenüber 1990 mehr als halbiert haben. Weit über 2 Mrd. Euro sind bis dahin in die Erneuerung der Infrastruktur geflossen.

 

Neue Dimension in der Nutzung von Strom zur Wärmeerzeugung

Bis 2030 will Vattenfall mit der Wärmewende, also der klimaneutralen Gestaltung der Wärmerzeugung, ein gutes Stück vorankommen. Einen Meilenstein auf diesem Weg stellt der Bau von Deutschlands größter Power-to-Heat-Anlage (ca. 120 MW) am Kraftwerksstandort Reuter in Spandau dar. Damit stößt das Unternehmen in eine neue Dimension der Nutzung von Strom zur Wärmeerzeugung vor. Mit der Power-to-Heat-Anlage wird überschüssige Wind- oder Solarenergie aus dem Stromnetz genommen, in Fernwärme umgewandelt und ins Fernwärmesystem eingespeist. Power-to-Heat soll sich zu einer Schlüsseltechnologie entwickeln, die erneuerbare Energien in die Städte bringt. Doch nur viele verschiedene Maßnahmen, also auch der weitere Ausbau von Blockheizkraftwerken oder die smarte Sektorenkopplung – auch mit Elektromobilität – und vieles mehr machen die klimaneutrale Stadt zu einem realistischen Ziel.

 

Welche Schritte Vattenfall gehen muss, damit Berlin 2050 komplett klimaneutral sein kann, hat das Unternehmen dem Finanzsenator 2015 in den sogenannten Energiegesprächen dargelegt, die auf den Webseiten der Finanzverwaltung einsehbar sind. Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen (u. a. Ausstieg aus der Steinkohle bis 2030) bleiben wir in den letzten beiden Jahrzehnten bis 2050 sogar unterhalb des angestrebten CO2-Reduzierungspfads. Um den Weg dorthin gemeinsam mit dem Land Berlin auszugestalten, soll im nächsten Jahr eine Machbarkeitsstudie entstehen.

Vattenfall hat endgültig Kurs auf die erneuerbaren Energien genommen. Auf Grundlage der Abschlussdokumente von COP 21 in Paris und COP 22 in Marrakesch hat der Wandel im gesamten Konzern hin zu einer konsequenten Ausrichtung auf die Erreichung einer CO2-freien Energieproduktion innerhalb einer Generation deutlich an Fahrt gewonnen.

Über den Autor

Harald Flügel ist Leiter der Kraftwerksgruppe Gas bei der Vattenfall Wärme in Berlin.

Tel.: 030 26732038
E-Mail: harald.fluegel@vattenfall.de
Internet: www.vattenfall.de