Wasserverteilung

Hygiene und Sicherheit in den Gebäuden – Ist auf dem letzten Meter wirklich alles paletti?

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Inhaber von Trinkwasser-Installationen sind dazu verpflichtet, Genusstauglichkeit und Reinheit ihres abgegebenen Wassers stets zu gewährleisten. Doch wie steht es um die Wasserqualität in den Trinkwasser-Installationen in Deutschland? Wie ist der Zustand der gebäudeinternen Verteilnetze? Sind die gesetzlichen Vorgaben ausreichend, um den hohen Standard unserer Trinkwasserqualität zu gewährleisten, und wo gibt es Lücken in der Umsetzung der Vorgaben?

Die technische Selbstverwaltung konkretisiert den gesetzlichen Rahmen

Die technische Selbstverwaltung macht gesetzliche Vorgaben überflüssig. Die deutsche Trinkwasserverordnung präzisiert in ihren verbindlichen Vorgaben die europäische Trinkwasserrichtlinie und bildet daher die Leitplanken, an denen sich das technische Regelwerk orientiert. Das technische Regelwerk, das seit gut 100 Jahren eine wichtige Konstante für die Trinkwasser-Installation bildet, wird permanent fortgeschrieben und ergänzt im Detail die gesetzlichen Vorgaben. Seit der letzten Novellierung der Trinkwasserverordnung finden sich darin klare Vorgaben für Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser und sie verweist auf das bewährte Zertifizierungssystem für Produkte durch die einschlägigen Branchenzertifizierer. Dem technischen Regelwerk obliegt es schon immer, auf neue Themenstellungen einzugehen und diese im Sinne der übergeordneten Verordnung zu definieren. Es liegt in der Verantwortung der beteiligten Fachexperten, immer dafür zu sorgen, dass diese Regeln nicht widersprüchlich sind und für den Anwender verständlich formuliert werden. Diese „Arbeitsteilung“, durch eine Verordnung auf der einen und die technische Selbstverwaltung auf der anderen Seite, ist der Garant für den hohen Standard unserer Trinkwasserqualität. Daher brauchen wir keine gesetzlichen Vorgaben in Fragen, die durch die technische Selbstverwaltung gelöst werden können!

Die Instandhaltung von Trinkwasseranlagen ist keine Nebensache!

Trinkwasserhygiene und Sicherheit in Gebäuden? Nach über 25 Jahren Berufserfahrung muss ich leider immer noch feststellen: weit gefehlt! Gerade in privaten Anwesen fehlt meist das Bewusstsein dafür. Mangelhafte Zustände werden ignoriert, solange noch Wasser aus der Zapfstelle läuft. Qualität oder gar Zusammensetzung des Wassers? Zustand der Anlage? Fachgerechter Betrieb? Nebensache! Die Instandhaltung der Anlage ist offensichtlich unnötig, selbst das Spülen oder Wechseln eines Filters unterbleibt. Aus Trinkwasser wird eben Leitungswasser. Erst wenn Schäden entstanden sind werden diese repariert (und möglichst über die Versicherung abgewickelt). Oder man nimmt sich der Sache einfach selbst an – kann ja nicht so schwer sein. Nötige Materialien und Werkzeug dazu gibt es in jedem Baumarkt. Rechtliche Grundlagen und technische Regeln gibt es genug – nur leider zu wenige Installateure und noch weniger Anlagenbetreiber, die diese Vorgaben kennen und umsetzen (wollen). In ordentlich verwalteten und/oder größeren Wohnanlagen mögen die Zustände nicht ganz so drastisch sein – eklatante Mängel sind allerdings auch dort auffällig oft anzutreffen. Leider.

Rechtliche Lage und Regelwerk sind in Deutschland beispielhaft – Wenn wir beides besser nutzten, wäre alles paletti!

Viele tausend Untersuchungen des IWW zeigen, dass die Wasserqualität in der Trinkwasser-Installation sehr gut ist, wenn man Kaltwasser betrachtet. Nur sehr wenige Fälle von Grenzwertüberschreitungen werden gefunden. Sie konzentrieren sich auf erhöhte Koloniezahlen und Nickel. Beide Auffälligkeiten sind in der Regel auf die Armatur bzw. „Panzerschläuche“ hinter den Eckventilen zurückzuführen. Ganz anders stellt sich die Lage bei Warmwasser dar, denn die Befundrate an Legionellen in solchen Systemen ist deutlich erhöht und Legionellen sind mit Abstand der hygienisch wichtigste Parameter im Trinkwasserbereich. Unsere Untersuchungen zeigen mit großer Konstanz zwischen 10 Prozent und 15 Prozent Maßnahmenwertüberschreitungen. Fälle von Legionellen-Toten und -Erkrankten lassen sich unablässig in den Internet-basierten Medien verfolgen. Die wesentlichen Mängel haben ihre Ursache in Unkenntnis der Verantwortlichen. Sei es, dass sich ein Inhaber einer Installation nicht klar darüber ist, dass er die TrinkwV zu beachten hat; sei es in der zum Teil großen Unkenntnis des Regelwerks, die auch bei Fachunternehmen zu beklagen ist. Die Gesetzes- und Regelwerkslage ist umfassend und sehr gut. So sind weniger Regelungslücken als vielmehr mangelndes Problembewusstsein und schlechte Fachkenntnis zu beklagen. Und das nach mittlerweile fast 17 Jahren Gültigkeit der TrinkwV 2001. Wir machen daher weiter und beraten den Kunden umfassend.

Wir haben ein Umsetzungsdefizit

Ich bin überzeugt, dass wir in der Trinkwasser-Installation kein Regelungsdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit haben. In den technischen Regeln sind viele relevante Aspekte für die Hausinstallation detailliert aufgezeigt. Dies gilt für die Planung, den Bau und den Betrieb der Installation sowie für die verschiedensten Produkte, die in der Trinkwasser-Installation zum Einsatz kommen. Somit haben wir in Deutschland einen Katalog an Leitplanken und Anforderungen, die in Europa und ich meine auch weltweit seines gleichen sucht. Leider sind bei der Planung und beim Bau sowie auch bei ersten Produktgenerationen Unzulänglichkeiten nicht immer auszuschließen. Wesentlich wird die Wasserqualität jedoch beim Betrieb der Anlagen beeinflusst. Kommt neben den dort naturgemäß vorliegenden ungünstigen Bedingungen noch ein Sanierungsstau hinzu, der oft in öffentlichen Gebäuden anzutreffen ist, so wird das Umsetzungsdefizit deutlich. Ganz zu schweigen von der regelmäßigen Wartung, die in vielen Lebensbereichen selbstverständlich ist, beim Trinkwaser oft aber oft als „zu teuer“ betrachtet wird.


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