Wasserverteilung

Neue Leitung für die Trinkwasserversorgung der Rhein-Main-Region

Markgraf

Im Bauabschnitt befinden sich zwei Straßenquerungen: Neben der B 486, die mittels Durchpressung DN 1400 unterquert wird, ist dies die Unterquerung der A 67 in Form eines vorhandenen Tunnelbauwerks. Hier wird zur Entlastung der vorhandenen Bestandsleitung die Stahlleitung DN 1000 mit Zementmörtelauskleidung und PE-Außenbeschichtung eingebaut.

Seit über 50 Jahren versorgt die insgesamt 35 Kilometer lange Riedleitung den Ballungsraum Rhein-Main zuverlässig mit Trinkwasser. Mittelfristig soll die Trinkwasserversorgung durch eine redundante Leitung abgesichert werden. Mit dem ersten Bauabschnitt auf einer Länge von rund 4 Kilometern wurde im Juli 2017 begonnen.

Neben der Rohrleitung gibt es auf der Trasse insgesamt fünf Bauwerke (Entleerungs- und Lüftungsbauwerke) sowie die Unterdükerung einer Bundesstraße und der Autobahn 67. Die Querung der A 67 verläuft in einem vorhandenen Tunnelbauwerk. Mit dem Einbau einer Stahlleitung DN 1000 ist die W. Markgraf GmbH & Co. KG beauftragt. Auftraggeber ist die Hessenwasser GmbH & Co. KG mit Sitz im südhessischen Gross-Gerau.

Über die 1963/1964 in Spannbetonrohren mit einem Durchmesser von DN 1.000 bis DN 1.300 ausgeführte Riedleitung wird das Trinkwasser von den Wasserwerken im Hessischen Ried in den Ballungsraum Rhein-Main transportiert. Über 40 Prozent des Trinkwasserbedarfs für die Metropolregion werden über die Riedleitung transportiert. Pumpen mit einer Leistung von über 5.000 m3 pro Stunde fördern das Wasser in Richtung Frankfurt am Main, Wiesbaden und Rüsselsheim sowie zu weiteren Kommunen im Rheingau und Taunus.

Besonders im Sommer, wenn der Trinkwasserbedarf am größten ist, stößt die alte Druckleitung an ihre Grenzen. Immerhin fließen täglich bis zu 120.000 m3 durch die Leitung. Dann ist die hydraulische Belastung für die Spannbetonrohre äußerst groß, und mit jedem Bar steigt das Risiko eines Rohrbruchs. „Aus fachlicher Sicht werden die Spannbetondruckrohre des bei der Riedleitung verwendeten Bautyps als zuverlässig beurteilt. Das potenzielle Ausfallrisiko nimmt jedoch mit dem Alter der Leitung zu. Bautypbedingt sind Schäden an der Riedleitung fast immer Rohrbrüche und daher mit einer Versorgungsunterbrechung verbunden“, erklärt Daniele Caccamo, Sachgebietsleiter Anlagen- und Bautechnik bei Hessenwasser.

Um das Risiko eines Versorgungsausfalls zu senken, und um die mittelfristige Sanierung der Bestandsleitung zu ermöglichen, entschieden sich die Verantwortlichen schließlich dazu, einen „Bypass“ zur Bestandsleitung zu legen. Darüber hinaus wird die Wasserversorgung der Rhein-Main-Region durch die Leitungsdopplung effizienter.
 


Versorgungstechnische Priorität

Parallel zur alten Druckleitung wird auf einem ersten Abschnitt derzeit die ergänzende Stahlleitung DN 1000 mit Zementmörtelauskleidung und PE-Außenbeschichtung verlegt. Eine Parallelleitung in geringem Abstand zur bestehenden Leitung hat den Vorteil, dass der Schutzstreifen nur etwas verbreitert werden muss“, erläutert Caccamo. Da die Leitungstrasse fast vollständig durch einen Wald führt, trägt man damit den Anforderungen des Naturschutzes in hohem Maße Rechnung. Der 4 Kilometer lange Abschnitt von der Behälteranlage Haßloch bis zum sogenannten Bauwerk 42 am Main bei Raunheim wurde als erster Bauabschnitt ausgewählt, da bei einer länger währenden Havarie in diesem Abschnitt die Pufferkapazität der Speicheranlage Haßloch mit einem Speichervolumen von 40.000 m3 unmittelbar nicht mehr versorgungswirksam verfügbar wäre.
 


Schweißen als Präzisionsarbeit

Im vorhandenen Tunnelbauwerk unter der A 67 werden die Stahlrohrstücke in Präzisionsarbeit von den beiden Schweißern und dem Vorrichter der Markgraf GmbH zu einem insgesamt 47 Meter langen Rohrstück verschweißt. Dabei entstehen hier einige der insgesamt über 350 Schweißnähte des gesamten Leitungsabschnitts. „Das Verschweißen in dem Tunnelbauwerk ist Präzisionsarbeit unter herausfordernden Bedingungen“, so Schweißfachingenieur Michael Bayerlein, Bauleitung Rohrleitungsbau bei der Markgraf GmbH. Die auf 4 Meter abgelängten, aber immerhin noch 1,6 Tonnen schweren Rohrstücke müssen im Tunnel „händisch“ längs zum Einbauort transportiert und ausgerichtet werden. Hierzu setzt Markgraf einen eigens für die Arbeiten konstruierten Transportwagen ein.

Dem Einbau der neuen Rohrleitung vorausgegangen war die Außerbetriebnahme und Demontage einer alten Stahlleitung DN 800 in dem Tunnelbauwerk. Sie wurde auf einer Länge von 65 Metern durch eine neue, kleinere Edelstahlleitung DN 400 ersetzt, die auf einer von Markgraf montierten Bühne verlegt wurde und speziell der Wasserversorgung von Rüsselsheim dient. Berechnungen hatten ergeben, dass die Rüsselsheimer Anschlussleitung auf DN 400 verkleinert werden kann und auch langfristig in dieser Dimension optimal bemessen ist. In dem frei gewordenen Korridor entstand auf diese Weise Platz für die neue Stahlleitung DN 1000 zur Ergänzung der bestehenden Riedleitung.
 


Erhöhung der Versorgungssicherheit

Bis Dezember 2018 sollen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt abgeschlossen sein. Das Ergebnis: Bei gleicher Förderleistung wird die alte Leitung erheblich entlastet. Gleichzeitig sinkt der Energiebedarf für die Pumpen in der Druckerhöhungsanlage Haßloch, da weniger Reibungsverluste innerhalb der neuen Stahlrohrleitung im Vergleich zur vorhandenen Betonrohrleitung entstehen. So können nach Berechnungen von Hessenwasser jährlich bis zu 815.000 kWh Strom eingespart werden. Das entspricht immerhin dem mittleren Stromverbrauch von fast 300 Haushalten. Darüber hinaus ermöglicht der parallele Betrieb der zweiten Leitung, dass die Bestandsleitung mittelfristig saniert werden kann. In den kommenden Jahren soll dann die gesamte Riedleitung durch eine zweite Leitung ergänzt werden.