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iro 2020: Moderne Infrastruktur nicht ohne Rohre und Kabel

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Bei der 34. Auflage des Oldenburger Rohrleitungsforums steht das Thema „Rohre und Kabel – Leitungen für eine moderne Infrastruktur“ im Mittelpunkt.

Das Oldenburger Rohrleitungsforum ist auch in seiner 34. Auflage nahe an den wichtigen Fragestellungen der Branche und wird sich am 13. und 14. Februar dieses Jahres schwerpunktmäßig mit der Rolle von Kabeln und Rohren in einer modernen Infrastruktur befassen.

Gleichzeitig setzt die Veranstaltung auch 2020 wieder auf bekannte und bewährte Formate – genug Gründe also, die den Besuch des Forums auch in diesem Jahr lohnenswert machen!

„Wenn die Energiewende gelingen soll, wird es schon in den nächsten Jahren erforderlich sein, große Mengen elektrischer Energie über weite Strecken transportieren zu können“, stellt Prof. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg und Vizepräsident der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, fest. „Und das wird nicht ohne Tiefbauleistungen gehen, die den im Rohrleitungsbau bekannten Verfahren sehr ähnlich sind. Der Leitspruch „Rohre und Kabel – Leitungen für eine moderne Infrastruktur“ ist in diesem Sinne eine Steilvorlage für das diesjährige Oldenburger Rohrleitungsforum, das am 13. und 14. Februar 2020 in den Gebäuden der Jade Hochschule in Oldenburg stattfinden wird.

„Wir wollen die Gelegenheit nutzen, dieses Thema einmal umfänglich zu beleuchten“, blickt Wegener voraus. So stehen an der Ofener Straße u. a. die großen Übertragungsnetze im Fokus, die von Nord nach Süd geplant sind. Hierbei gilt es – das ist Wegener wichtig –, neben den ausführenden Unternehmen auch die Planer und Betreiber mit einzubinden. Ebenso im Blickpunkt steht aber auch der weitere Ausbau der Gasnetze. Zumindest für die nächsten drei Jahrzehnte ist Gas – möglicherweise sukzessive ersetzt durch „grünes“ Gas – aus sicheren Energieversorgungskonzepten nicht wegzudenken. Was im Einzelnen wann möglich sein wird, wird auch von den Fortschritten und Einsatzmöglichkeiten in der Wasserstofftechnologie abhängen, darüber hinaus aber auch von der Entwicklung im Bereich der Power-to-X-Technologie.

Vortragsreihen mit aktuellen Bezug

Den Auftakt für das insgesamt 34. Oldenburger Rohrleitungsforum bildet wie schon in den Vorjahren eine feierliche Eröffnung im Sitzungssaal des ehemaligen Landtags am 12. Februar 2020. Mit seinem Impulsvortrag „Zusammenspiel von innovativer Hochschule und regionaler Entwicklung“ will der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, dabei für einen fruchtbaren Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werben – und könnte damit wohl kaum treffender auf die Veranstaltung einstimmen: Schließlich bilden aktuelle Forschungsergebnisse, Innovationen und Erfahrungen aus der Praxis die Grundlage für die Fachreferate.

Das Forum selbst besteht wie immer aus fünf Vortragsreihen, in denen Fachleute aus der Branche ihre Erfahrungen schildern und aus der Praxis berichten werden. Beim Schwerpunktthema „Kabelleitungsbau“ wird es u. a. um die Frage gehen, wie einzelne Baumaßnahmen untereinander abgestimmt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt ist das hochaktuelle Thema „Wasserstofftechnologie“: Hier werden vorwiegend die Aspekte einer Integration des Energieträgers Wasserstoff in die Gasinfrastruktur thematisiert. Die Teilnehmer erhalten dabei Einsichten aus aktuellen Studien zur Zukunft der Gasinfrastruktur mit Wasserstoff und werden mit Strategien zur Wasserstoffeinspeisung in das Erdgasnetz sowie mit Sicherheitsfragen bei Wasserstoff in Hochdruckleitungen konfrontiert.

„Das zeigt, welche Bedeutung wir der Wasserstofftechnologie in Verbindung mit der klassischen Erdgasversorgung beimessen. An einem Ausbau der Gasnetze wird kein Weg vorbeiführen“, betont Wegener. Derzeit beschäftigen sich zahlreiche Studien und Projekte mit der Nutzung von Wasserstoff: Ab 2020 wird beispielsweise der Energiepark Bad Lauchstädt als Reallabor die Herstellung per Großelektrolyse, den Transport durch umgewidmete Erdgaspipelines und den wirtschaftlichen Einsatz im industriellen Maßstab erproben. Für die Zwischenspeicherung soll dabei eine unterirdische Salzkaverne dienen. Weltweit wäre das die erste Kaverne, die mithilfe von erneuerbarem Strom gewonnenen Wasserstoff einspeichert.

Auch mit Blick auf den Verkehrssektor ist Wasserstoff ein Hoffnungsträger. Bereits seit September 2018 sind im Elbe-Weser-Netz in Niedersachsen zwei Wasserstoffzüge im regelmäßigen Fahrgasteinsatz und auch in Hessen sollen bald die ersten Züge in Betrieb gehen. Im Gegensatz zu Dieselzügen fahren sie emissionsfrei, denn Brennstoffzellen an Bord erzeugen durch die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft die für den Antrieb erforderliche elektrische Energie. Dank des Brennstoffzellenantriebs werden lediglich Wasserdampf und Wasser an die Umgebung abgegeben; auch die Geräuschemissionen sind vergleichsweise gering. Durch den Einsatz von Energiespeichern und einem intelligenten Energiemanagement ermöglicht das Antriebssystem außerdem einen reduzierten Energieverbrauch.

Die Mischung macht´s

Neben den Schwerpunkten „Kabelleitungsbau“ und „Wasserstofftechnologie“ wird auch das Thema „Digitalisierung“ umfassend behandelt werden. Begriffe wie Asset-Management, Strategische Kanalnetzplanung, Klimawandel und -anpassungsstrategien, Digitalisierung und BIM im Leitungsbau sind die Aufhänger von Referaten in Vortragsblöcken, die sich mit innovativen Technologien für das Asset-Management von Leitungsinfrastrukturen und der Digitalisierung in der Versorgungswirtschaft beschäftigen. Hinzu kommen langjährige Klassiker wie etwa Rohrwerkstoffe, grabenlose Verlegeverfahren mit vielen Beispielen aus der Praxis sowie Themen wie Fernwärme und Schweißtechnik.

Die „Diskussion im Café“ unter der Überschrift „Der Widerstand wächst – kann man überhaupt noch Leitungen bauen?“ und der „Ollnburger Gröönkohlabend“ in der Weser-Ems-Halle am Ende des ersten Veranstaltungstages zählen zu den weiteren Höhepunkten des 34. Oldenburger Rohrleitungsforums. Wie in jedem Jahr ist der forumsbegleitende Ausstellungsbereich zwar bereits komplett ausgebucht, Anmeldungen zur Teilnahme am Forum und am Grünkohlabend sind jedoch noch möglich.